Vor dem Baumarkt am Stadtrand von Grimma wirbt ein Schild: "Bautrockner zur Vermietung eingetroffen". Vier Wochen ist es her, dass das Muldehochwasser über Grimma kam. Mittlerweile beherrschen nicht mehr Besen und Bagger die Stadt, sondern Hämmer, Meißel und Wohncontainer. Überall wird feuchter Putz abgeschlagen, Apotheken und Cafés eröffnen in Übergangsquartieren. An den Fassaden hängen Transparente: "Dank allen Helfern" und "Hier entsteht wieder eine Zahnarztpraxis".Vor drei Wochen bat die ZEIT ihre Leser um Hilfe. Auf dem Spendenkonto unseres Partners, des Kirchenkreises Grimma, sind seitdem 256 690 Euro eingegangen. Daneben erhielten Elke und Lutz Simmler, die in ehrenamtlicher Arbeit die Unterstützung koordinieren, Hunderte konkreter Angebote: Eine Dame aus Köln lud eine Flutgeschädigte ein, um sie neu einzukleiden. Ein Pfarrer aus Darmstadt will für eine Woche als Seelsorger nach Grimma kommen.

"Anfangs wurden wir von den Angeboten erschlagen", sagt Lutz Simmler.

Sachspenden, sagt er, seien im Moment nicht mehr nötig, überlegt dann und korrigiert: "außer Baumaterial vielleicht". Vor allem, appelliert er an Spender, sei langfristige Hilfe nötig. "Wir werden hier in 'nem halben Jahr nicht fertig sein."

Deshalb vermitteln Simmler und seine Frau Patenschaften: Ein Textilunternehmer aus Baden-Württemberg unterstützt einen Grimmaer Herrenausstatter. Ein Verein von Business-Frauen aus Frankfurt am Main wird vier kleine Geschäfte beim Neustart betreuen. Zwei Buchhändler, die bei den Simmlers anriefen, haben sie mit Marlies Uhde bekannt gemacht. Sie verlor vor vier Wochen ihren kleinen Laden. In den ersten Tagen schuftete die schmale Frau in einem T-Shirt mit dem Aufdruck: "Sisyphos muss ein glücklicher Mensch gewesen sein". alf

Patenschaften für Grimma und Umgebung:

Tel. 03437/91 82 36 oder 91 96 11

E-Mail: DIE-ZEIT-Flut@web.de