Sie waren ein Wachstumsmotor und boten Arbeit satt: Deutschlands Softwareunternehmen. Nur der Fachkräftemangel drohte sie zu bremsen. Deshalb holten sich die starken Softies Verstärkung aus dem Ausland. Mit der Green-Card-Initiative half ihnen sogar der Bundeskanzler dabei. Mehr als 10 000 Spezialisten kamen aus aller Welt ins Land. Insgesamt stieg die Zahl der Softwerker und IT-Experten in Deutschland auf fast 400 000 im vergangenen Jahr.

Bitter für sie: Inzwischen geht es bei vielen Unternehmen nur noch bergab.

Die Branche absolviert derzeit den schwersten Härtetest ihrer Geschichte. Der Glaube an grenzenloses Wachstum bröckelt. Erstmals wird in diesem Jahr die Zahl der Beschäftigten in der traditionellen Boombranche schrumpfen. Selbst hoch qualifizierte Experten müssen sich plötzlich nach einem neuen Job umsehen. Dabei waren sie lange Zeit die Stars auf dem Arbeitsmarkt im Lande.

Sie produzieren etwas, das niemand zu Gesicht bekommt, weil es in Computern verschwindet. Anders als der weltgrößte Anbieter Microsoft, dessen Chef Bill Gates es verstand, mit seinem Massenprodukt Windows fast jeden PC zu erobern, konzentrieren sich Deutschlands Softwareunternehmen auf die professionelle Kundschaft in den Betrieben. Ihre Produkte berechnen die Statik von Brücken und Gebäuden, steuern Maschinen und Roboter in Fabriken, managen riesige Abrechnungssysteme und bringen, in der Regel jedenfalls, Büros und Buchhaltung in Ordnung.

Vor allem die Softwareschmiede SAP wurde mit dieser betriebswirtschaftlichen Software berühmt. In ihr steckt das gesamte Know-how, das man braucht, um einen Konzern zu lenken. Ob Bestellung, Produktion, Lagerhaltung, Rechnungslegung oder Personalverwaltung: Alles wird in Nullen und Einsen zerlegt und zu Programmpaketen verschnürt, ohne die Unternehmen nicht mehr überleben können.

Genau diese Erkenntnis bescherte den Anbietern zum Jahreswechsel 2000 eine willkommene Sonderkonjunktur. Vor lauter Angst, ihre betagten Systeme könnten den Sprung ins neue Jahrtausend nicht schaffen, deckten sich viele Unternehmen mit neuer Soft- und Hardware ein. Dann folgte die Euro-Umstellung, die weitere Aufträge bescherte. Und schließlich war da noch der Internet-Hype.

Neue Softwareanbieter wie Intershop schossen wie Pilze aus dem Boden. Sie machten den Etablierten in ihren Reihen zunächst vor, was es heißt, selbst große, schwerfällige Konzerne mit einer neuen Software fit für die New Economy zu machen. Begriffe wie E-Commerce, B2C oder B2B waren pötzlich in aller Munde.