Michael Ringier beherrscht den Boulevardjournalismus der Schweiz. Vor einigen Monaten stürzten seine Journalisten den Berner Botschafter in Berlin, Thomas Borer - mit einer Kampagne, für die sich der Verlag entschuldigen müsste. Der Skandal schmälert keineswegs die Chancen von Ringier, demnächst 40 Prozent am Axel Springer Verlag zu übernehmen.

Doch ist er auch der Richtige? Immerhin geht es darum, was sechs Millionen Deutsche morgens kaufen. So hoch ist die gemeinsame Auflage von Bild, Welt und anderen Springer-Blättern. Wer würde da nicht gerne mitbestimmen.

Tatsächlich könnte Ringier dem deutschen Leser dienlich sein. Denn wettbewerbspolitisch könnte kaum etwas Besseres geschehen, als dass der Schweizer Verleger das Aktienpaket kauft.

Die Papiere sind seit Monaten auf dem Markt. Seither geht es zu wie im Klapptürentheater. Die Auftaktszene gehörte dem Medienunternehmer Leo Kirch.

Er bestritt im Januar, dem Springer Verlag und seinem Vorstandschef Mathias Döpfner 767 Millionen Euro zu schulden. Daraufhin verloren einige Banken das Vertrauen, Kirch war ruiniert. Er verkauft, um seine Schulden zu begleichen.

Döpfner wiederum sprach mit Rolf-Ernst Breuer von der Deutschen Bank. Kann Kirch bis Ende September nicht verkaufen, fällt das Aktienpaket an die Bank.

Breuer setzte sich mit Erich Schumann zusammen, einem der Geschäftsführer des WAZ-Verlags. Letzterer wäre gern Springer-Aktionär.