Beim Fernsehduell zwischen Gerhard Schröder und Edmund Stoiber am vergangenen Wochenende spielte die Gesundheitspolitik keine große Rolle.

Merkwürdig - die Zuschauer hätten sicher zugehört. Die Mehrheit der Deutschen schätzt die Zukunft ihrer Gesundheitsversorgung pessimistisch ein: 76 Prozent rechnen mit höheren Zuzahlungen für Medikamente. 63 Prozent sind überzeugt, dass die Kassen demnächst nur noch eine Grundversorgung finanzieren. 50 Prozent der Bevölkerung machen sich Sorgen, im Falle einer ernsthaften Erkrankung nicht ausreichend versorgt werden zu können. Nur 37 Prozent aller heute bereits ernsthaft Kranken halten das System für gut, so eine Untersuchung des Allensbacher Instituts für Demoskopie.

Doch die Reform des Gesundheitswesens ist ein Angstthema - für Wahlkämpfer mindestens ebenso wie für ihre Wähler. Die Union hat gut in Erinnerung, wie viele Sympathien sie die Gesundheitsreform des damaligen Ministers Horst Seehofer im letzten Regierungsjahr 1998 gekostet hat. Auch die Sozialdemokraten wissen, dass besonders ältere Wähler auf Ankündigungen von Zuzahlungen oder Leistungskürzungen nervös reagieren.

Dass Schröder und Stoiber in Angststarre verharren, ist schon deswegen schade, weil sich die Reformdebatte in den vergangenen Monaten verändert hat.

Fast im Wochenrhythmus legen momentan Verbände, Wissenschaftler, manchmal sogar einzelne Versicherungen detaillierte Konzepte für eine Gesundheitsreform vor. Es herrscht kein Mangel an Ideen. Niemand kann der Politik allerdings die Entscheidung darüber abnehmen, was genau ein "soziales" System ausmachen soll, von dem so oft die Rede ist.

Die Gewerkschaften wissen immerhin, was sie für unsozial halten. Sie mobilisieren kräftig gegen eine "Zwei-Klassen-Medizin". Allerdings dürfte das, was sie attackieren, sowieso nicht Regierungspraxis werden: eine Aufspaltung des gesetzlichen Leistungskatalogs in Wahl- und Pflichtleistungen.

SPD und die Grünen halten ohnehin wenig davon. Und Seehofer, der in einem Kabinett Stoiber vermutlich wieder für das Gesundheitsressort verantwortlich wäre, hat gerade eine entsprechende Ankündigung im Wahlprogramm korrigiert.