So viel Selbstbewusstsein war noch nie. Gerhard Schröder legt sich wegen des Irak mit der einzigen Supermacht an, laut und öffentlich wie kein Kanzler vor ihm. Selbst Helmut Schmidt, der den Amerikanern mit Genuss die Leviten las, wenn er es für angemessen hielt, bevorzugte dafür die Intimität des Kabinettgesprächs. Woher nimmt Schröder eigentlich die Traute?

Vielleicht aus der Außenpolitik der vergangenen vier Jahre. Der Kanzler der ersten rot-grünen Koalition hatte in schneller Abfolge historische Herausforderungen zu bestehen: Balkan, Afghanistan, Antiterrorkrieg. Dabei öffneten sich ihm und seiner Mannschaft - in einem vereinigten, außenpolitisch souveränen Deutschland - Gestaltungsräume wie keiner deutschen Regierung zuvor. Schröder, der diplomatische Lehrling, musste über Nacht die Meisterprüfung ablegen. Die rot-grüne Koalition erstaunte alle Skeptiker. Das gibt Selbstvertrauen, und so empfiehlt sich diese Regierung zur Wahl gerade mit ihrer außenpolitischen Bilanz. Zu Recht?

Luftwaffe über Belgrad

Krieg und Frieden: Noch unter Hans-Dietrich Genscher war das Scheckbuch das bevorzugte Instrument der deutschen Diplomatie. Die Schröder-Fischer-Koalition kann sich zugute halten, die Anwendung militärischer Gewalt als Ultima Ratio der Berliner Außenpolitik durchgesetzt zu haben, ohne auf zivile Bonner Tugenden wie Vermittlung, Prävention und Entwicklungshilfe zu verzichten. Die Luftwaffe flog 1999 bei den Bombardements von Belgrad vorneweg - im ersten Kampfeinsatz der Nachkriegsgeschichte, übrigens ohne UN-Mandat. "Enttabuisierung des Militärischen" nennt Schröder das, in gewohnt robuster Diktion.

Gleichzeitig aber holte die Bundesregierung die Russen aus der Schmollecke

so verlor der Serbe Milosevic seinen letzten Bundesgenossen und gab auf.

Berlin schob den Stabilitätspakt für den Balkan an und half, in Mazedonien einen Bürgerkrieg zu verhindern. Nach dem 11. September schickte Schröder Soldaten in den Antiterrorkrieg. Dann lud er die afghanischen Stammesführer zu Verhandlungen an den Rhein. Deutschland, die "erwachsene Nation", soll - darauf pocht Schröder - in der globalen Arena auf "gleicher Augenhöhe" mit Briten und Franzosen sprechen. Für Weltniveau braucht's indes noch ein bisschen mehr. Die rot-grüne Regierung hat knapp 10 000 Soldaten mit Tusch in die Welt hinausgeschickt, aber der Bundeswehr zuvor eine verkorkste Reform verordnet und ihr obendrein noch die Kasse zugelötet. Schlimmer noch, das Krisenmanagement ist schon das ganze Konzept.