Für die Umwelt sah es düster aus. Schon der Name des neuen Ministers versprach Unheil. Naturfreunden erschien der Tag des Regierungswechsels als "Schwarzer Freitag der Umweltpolitik". Und der Spiegel meldete, der neue Ressortchef habe bereits 48 Stunden nach seiner Vereidigung den befürchteten "abrupten Wechsel" eingeleitet.

Das war vor 20 Jahren. Damals, im Herbst 1982, hatte die FDP die Koalition mit den Sozialdemokraten aufgekündigt, sie regierte nun mit den Unionsparteien. Und die hatten ausgerechnet einem CSU-Mann das Innenministerium anvertraut. Der Innenminister war damals auch für den Umweltschutz zuständig und hieß fortan Friedrich Zimmermann. Von ihm hatte noch niemand Wohlwollendes zum Umweltschutz gehört. Eine Ära des Stillstands, gar des Rückschritts schien unvermeidbar.

Doch alles kam anders. Zimmermann erklärte den Umweltschutz zur "wichtigsten Aufgabe der Menschheit in den nächsten Jahren" - neben der Vermeidung kriegerischer Konflikte. Und zur allgemeinen Überraschung ließ er seinen Worten sogar Taten folgen. "Bemerkenswert strenge Umweltregelungen" habe der CSU-Politiker durchgesetzt, sagt Helmut Weidner, der sich am Wissenschaftszentrum Berlin (WZB) seit vielen Jahren mit der Analyse von Umweltpolitik beschäftigt. Der Rechtswissenschaftler Sighard Wilhelm schrieb in einem engagierten Büchlein über die Anfänge bundesdeutscher Umweltpolitik: "Zimmermann vergaß sein dummes Gerede von gestern und erklärte, dass die Schadstoffemissionen der Kraftwerke wegen der Waldschäden deutlich gesenkt werden müssten, und zwar auch dann, wenn die Ursachen dieser Schäden wissenschaftlich noch nicht eindeutig erwiesen seien." Exakt mit diesem Einwand waren die Initiativen von Zimmermanns Amtsvorgänger, des FDP-Politikers Gerhart Baum, ein ums andere Mal abgeschmettert worden.

Und heute? Wiederholt sich die Geschichte? Wieder könnte nach der Bundestagswahl am 22. September ein konservativer Politiker das Umweltressort übernehmen. Wieder grassiert die Furcht davor, die Schwarzen könnten alle grün-roten Taten rückgängig machen: den Atomausstieg, die Förderung erneuerbarer Energie, die Ökosteuer. Gerd Billen, Geschäftsführer des Naturschutzbundes Nabu, wittert bei einem Regierungswechsel das Aus "substanzieller Umweltpolitik". Der Konkurrenzverband BUND fürchtet "eklatante Rückschritte".

Rückschritt? Stillstand? Oder doch vielleicht Fortschritt wie 1982? Irren sich die Umweltschützer wieder? Oder kommt Edmund Stoiber tatsächlich selten auf grüne Gedanken? Und gleicht er darin womöglich sogar Gerhard Schröder?

Andreas Troge, Präsident des Umweltbundesamtes (UBA), CDU-Mitglied und profilierter Kritiker der eigenen Partei, will an ein "breites ökologisches Rollback" nicht glauben - allein schon deshalb nicht, weil jede Regierung an internationale Verträge gebunden sei. Der WZB-Forscher Weidner bezweifelt sogar, dass die Union die von ihr als "K.-o.-Steuer" verteufelte rot-grüne Ökosteuer im Ernstfall kippen würde. Trotz gegenteiliger Ankündigungen fände "der politische Opportunismus auch dafür gute Gründe", glaubt Weidner. Und Kanzlerkandidat Edmund Stoiber selbst sagt: "Umweltschutz hat in diesem Land nicht mit Rot-Grün begonnen und wird mit dem Ende von Rot-Grün nicht aufhören."

In der Tat war es die bayerische Regierung, die 1970 das erste deutsche Umweltministerium schuf - und Edmund Stoiber anheuerte. Der frisch gebackene Jurist war zunächst Redenschreiber gewesen, später persönlicher Referent des Ministers Max Streibl. Damals galt es, die Atemluft, die Seen, die Flüsse und die Böden zu sanieren und mittels Filtern und Kläranlagen vor neuen Belastungen zu schützen. Mittlerweile ist diese Aufgabe weitgehend erledigt.