Dieser Freitag, der 13., dürfte Michel Bons letzter Arbeitstag werden.

Der Patron von France Télécom (FT) muss gehen, hieß es vor dem Schicksalstag in Pariser Regierungskreisen. Die Halbjahresergebnisse des Unternehmens lesen sich zu katastrophal: Schulden in Höhe von über 70 Milliarden Euro, ein Kurssturz der Aktie von 75 Prozent allein in diesem Jahr, Verluste in den ersten sechs Monaten von rund 10 Milliarden Euro. Da helfen alle Sympathien des Staatspräsidenten Jacques Chirac nicht mehr: Dessen Vertrauter und damaliger Premierminister Alain Juppé hatte vor sieben Jahren Bon an die Spitze von France Télécom gesetzt. Dort hält der Staat noch immer 55,5 Prozent der Anteile. Ohne Hilfe von der Regierung ist das Unternehmen nicht mehr flott zu bekommen. Nur wie, ohne die Wettbewerbshüter in Brüssel auf den Plan zu rufen, das ist noch die Frage.

Klar ist: Der Staat schreibt mit am FT-Drehbuch, genau wie beim Polit- und Börsenkrimi um Jean-Marie Messier, den geschassten Magier des Mischkonzerns Vivendi Universal: Den höchstbezahlten Manager mit französischem Pass riss nach atemberaubendem Erfolg in Paris, New York und Hollywood ein Börsensturz mit in die Tiefe. Am Ende wurde er nach einem Fingerzeig des Staatspräsidenten Jacques Chirac in die Wüste geschickt. Aus solchem Stoff würde ein Balzac oder Dumas einen Roman schneidern, irgendwo zwischen Verlorene Illusionen und Der Graf von Monte Hollywood.

Kaum war Messier weg, sprangen mit Jean-René Fourtou und Claude Bébéar zwei alte Bekannte des Big Business ein

ehemaliger Aventis-Chef der eine, Gründer des Versicherungskonzerns Axa der andere. Beide Absolventen der Elitehochschule Ecole polytéchnique und Freunde von Chirac. Ihre erste Tat: Aus dem umfangreichen Beteiligungssammlung von Vivendi verkauften sie die Zeitschriften L'Express und L'Expansion an Socpresse, das Mutterhaus des regierungstreuen Figaro. Man stelle sich vor, Stoiber gewinnt - und Spiegel und Wirtschaftswoche landeten in einem Coup beim Springer-Verlag.

Folgt jetzt das Drama um France Télécom einer ähnlichen Regie, wird auch Michel Bon abgelöst. Im Gespräch war zu Beginn dieser Woche Noël Forgeard, der Airbus-Präsident und Chirac-Freund, oder Thierry Breton, Boss von Thomson Multimédia und Intimus von Premierminister Jean-Pierre Raffarin. Alles Spekulation, gewiss. Und doch: Der Staat schreibt mit, kein Zweifel. Fast wie in alter Tradition, so scheint es: ein Fingerzeig hier, eine Finanzspritze da.

In der ersten Jahreshälfte verloren nicht nur spekulative Technologiewerte wie Vivendi, Alcatel oder France Télécom rapide an Kurswert. Der "Orkan" (Le Monde) erfasste auch den Kaufhauskonzern Pinault-Primtemps-Redoute mit einem Minus von über 33 Prozent, schlimmer als bei Vivendi. Oder die Versicherung Axa, minus 26 Prozent, bei führenden Bank- und Finanzinstituten wie Société générale oder BNP Parisbas minus 19 Prozent. Die valeurs sûres, die risikolose Kapitalanlage auch für den vorsichtigen Familienvater, gibt es an der Pariser Börse nicht mehr.