Manchmal ist es nur ein Name oder ein Satz, der die Fantasie auf Touren bringt. "Dr. Livingstone, I presume?" gehört zu den weltweit berühmtesten Einzeilern - mit einem Flair von Abenteuer und Heldentat. Mit dieser Erkennungsmelodie verbindet sich auch die Figur des 1841 geborenen walisischen Journalisten und Afrikaforschers Henry Morton Stanley, der seinen verschollenen Landsmann, den Missionar David Livingstone, 1871 am See von Tansania aufspürte, begrüßte und später dessen Sarg mit in die Westminster Abbey trug.

Wenn bei Christie's am 24. September in London ein Konvolut von mehr als 1000 Objekten des Fernreisenden Stanley zur Versteigerung kommt, soll die Magie der Geschichten um seine Expeditionen im Saal mitschwingen.

Memorabila-Auktionen leben von Glanz und Exotik ihrer Protagonisten, auch im Sinne der Erben und der Preise. Es ist allerdings nicht das erste Mal, dass Nachfahren Stanleys Dinge aus seinem persönlichen Besitz verkaufen. Und 1987 wurde in Brüssel im Afrikamuseum in Tervuren der "Pavillon H. M. Stanley" als Forschungsstätte für den "Entdecker des Kongo" und Freund des belgischen Königshauses eröffnet.

Gegen Proteste aus Großbritannien hatte die damalige Erbengeneration dem belgischen Staat Tagebücher, handgezeichnete Karten, Tropenhelm und Doktorhut, seine Sammlung afrikanischer Perlen und Muscheln, den "Bärentöter" und wie es hieß "das komplette Archiv" für rund acht Millionen Euro verkauft.

"Stanley's Waterloo" titelte damals der Sunday Telegraph.

Angesichts dessen muss man sich wundern, was der Dauerreisende sonst noch alles angesammelt hatte und was nun aus Stanleys 1898 erworbenem und inzwischen aufgelösten Haus in Surrey noch immer ans Licht der Öffentlichkeit gelangt. An der Zuordnung der Objekte haben Christie's Spezialisten laut Eigenauskunft fast 16 Jahre gearbeitet.

Darunter sind viele Geschenke, die der Prominente nach seiner Rückkehr von den vielen Reisen nach Sansibar, Sues, Eritrea, Ägypten, den Seychellen, USA - und immer wieder Afrika entgegengenommen hat. Für geschätzte 11 000 bis 16 000 Dollar kommt auch der Sextant zum Aufruf, den die Witwe Livingstones Stanley zum Andenken überlassen hatte. 210 Lose bestehen aus Fotos, Büchern, Karten, Stammeskunst und Jagdwaffen, etwa Speere aus dem Kongo in Gruppen zu elf (1500 bis 2000 Dollar) oder neun Exemplaren (1600 bis 2300 Dollar).