K U N S T M A R K T Konjunktur Ost

Zeitgenössische Kunst aus China erobert erfolgreich den internationalen Markt

Auf dem internationalen Kunstmarkt rücken die Zeitgenossen aus dem Reich der Mitte vor. Die Namen chinesischer Künstler wie Fang Lijun, Ai Weiwei, Yue Minjun oder Zhang Xiaogang sind inzwischen auch westlichen Kunstkennern bekannt, erzielen hohe Preise und werden im eigenen Land mit wachsendem Stolz gezeigt.

Selbstbewusst präsentiert sich das Shanghai Art Museum derzeit in der Partnerstadt Hamburg anlässlich der China-Wochen bis zum 28. September mit 53 Künstlern. Eröffnet wurde die Ausstellung in Anwesenheit des Shanghaier Vizebürgermeisters Mu Yao Zhou, auch das ein Bekenntnis in Richtung Westen. "Ein mutiger Auftritt", kommentiert der Referatsleiter Harald N. Clapham von der Hamburger Kulturbehörde den Gegenbesuch der Chinesen. Im vergangenen Jahr waren im Rahmen der Kulturwochen der Künstler-Professor Bogomir Ecker und 16 weitere Dozenten in Shanghai zu Gast gewesen. Clapham: "Dort besteht eben ein großes Bedürfnis nach einem Update des Chinabildes." Am 22. November startet in der traditionell kosmopolitischen Hafenstadt Shanghai die von Klaus Biesenbach (KunstWerke Berlin) und Alanna Heiss (P.S.1, New York) kuratierte vierte Shanghai Biennale mit internationalem Anspruch. Und die am Art Forum Berlin (26. bis 30. September) teilnehmende, seit 1997 auf chinesische Kunst spezialisierte Berliner Galerie Prüss & Ochs (vormals Asien Fine Arts) etabliert zwei Tage vor der Eröffnung der Biennale ihre Filiale Shanghai Contemporary in der Kooperation Albrecht, Ochs & Wei.

Die erste Ausstellung ist eine Ost-West-Begegnung zwischen Fang Lijun, der mit seinen grinsenden glatzköpfigen Selbstporträts bekannt geworden ist, und dem 1997 mit einer Gastprofessur an der Academy of Fine Arts in Tianjin betrauten Jörg Immendorf. Galerist Alexander Ochs: "Die Zeit für eine friedliche Koexistenz der Kulturen und Ökonomien ist einfach reif." Wenn die Szene in Peking Alexander Ochs zwar interessanter erscheint, so hat er sich doch mit seiner Galerie für Shanghai entschieden: "Da ist die Situation offener und vor allem ökonomisch stärker." Es ist nicht die erste von einem Ausländer betriebene Kunsthandlung. 1995 eröffnete der Schweizer Lorenz Helbling in Shanghai seine ShangArt - eine von etwa 15 ernst zu nehmenden Galerien.

Schon vor den Großauftritten chinesischer Künstlerinnen und Künstler auf der Biennale in Venedig im Jahr 1999 und der darauf folgenden Messe Art Basel hatte beispielsweise das Auktionshaus Christie's die Chancen im Fernen Osten erkannt und etablierte sich in den Achtzigern mit einem Büro in Hongkong. 1996 führte es dort eine Auktion durch. Nach einer ersten Euphorie mit Versteigerungen in Taipeh und Hongkong hat man die Aktivitäten jedoch wieder gebündelt und hält nun rund 30 Prozent des Auktionsgeschäftes.

Zehn Versteigerungen sind bei Christie's in Hongkong vom 27. bis 29. Oktober angesetzt. Allerdings geht es dabei nicht nur um zeitgenössische und klassische chinesische Malerei, sondern auch um Weine, Zigarren, Uhren und Juwelen. Antiquitäten, die älter als 200 Jahre sind, dürfen in China bislang nur von staatlichen Auktionshäusern und nicht ins Ausland verkauft werden. Rund dreißig Jahre waren Auktionen überhaupt verboten. 1993 nahm China Guardian Auctions in Peking als erstes Haus seine Geschäfte nach westlichem Muster auf; mit großem Erfolg. Ausländer und Exilchinesen griffen bei den lange nicht offiziell verfügbaren Kalligrafien und Gemälden zu. Der Beitritt Chinas im Januar 2001 zur World Trade Organisation (WTO) verspricht weitere Öffnung. Im April kursierte bei dem National Peoples Congress in Hongkong ein Gesetzesentwurf zur Legalisierung des privaten Handels mit Antiquitäten. Allerdings behält sich der Staat darin vor, Verkauf und Export bestimmter Werke über Zertifikate zu verhindern, wie The Art Newspaper in ihrer jüngsten Ausgabe berichtet.

Schaut man auf die Top Ten der Christie's-Verkäufe vom Oktober 2001 und April 2002 in Asien, so fällt auf, dass asiatische Privatsammler die einst als kapitalistisch geschmähte und teils im Exil entstandene Kunst mehr und mehr repatriieren und das zu hohen Preisen. Auch das für 863 850 US-Dollar, achtfach über der Taxe zugeschlagene Gemälde The Three Riders des 1953 verstorbenen Xu Beihong ging an einen privaten asiatischen Liebhaber - zu einem bis dahin unerhörten Preis für ein chinesisches Kunstwerk auf Leinwand. Von den 20 teuersten Werken wurde nur eine einzige Arbeit vom europäischen Handel erworben. Aber westliche Berater und Sammler richten den Blick fernostwärts. Auf einer Reise mit Atelierbesuchen stellte der Düsseldorfer Art Consultant Helge Achenbach fest: "Auf der Basis einer exzellenten traditionellen Ausbildungsqualität kommt es dort zu einem avantgardistischen Schub, der überwältigend ist."

 
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