Stimmt’s? Völlig radlos

Stimmt es, dass die Ägypter die Pyramiden bauten, ohne das Rad zu kennen, also jeder Quader an die richtige Stelle gezogen werden musste ohne den Einsatz von Wagen? Yvonne von Starck, Berlin

Darüber, wie die alten Ägypter in der Zeit der 4. Dynastie (2604 bis 2511 vor Christus) die großen Pyramiden gebaut haben, ist erstaunlich wenig bekannt. Insbesondere rätselt die Wissenschaft immer noch, wie die tonnenschweren Steinquader in mehr als hundert Meter Höhe geschafft wurden. Es gibt keine Funde von Werkzeugen, Transportgeräten und Rampen. Auch die bildlichen Darstellungen vom Pyramidenbau stammen aus jüngeren Epochen, in denen längst keine Monumentalbauten mehr errichtet wurden.

Aber es gilt als gesichert, dass beim Bau keine Wagen mit Rädern verwendet wurde, sondern hölzerne Schlitten. Allenfalls Rundhölzer, die als Rollen unter die Schlitten gelegt wurden, halten manche Ägyptologen für möglich. Die erste bildliche Darstellung eines Rades stammt aus der 6. Dynastie (2347 bis 2216 vor Christus), das Bild zeigt eine Sturmleiter mit Scheibenrädern. Richtige Wagen mit Speichenrädern sind noch jüngeren Datums.

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Ägypter das Rad nicht selbst erfunden, sondern sozusagen importiert haben. Das heißt nicht unbedingt, dass sie zu "dumm" dafür gewesen sind - in der Frühzeit der ägyptischen Zivilisation bestand vielleicht einfach kein Bedarf an Rädern. Hauptverkehrsmittel in dem schmalen Land am Nil waren Boote und Schiffe. Und für den Transport der Pyramidensteine wären Wagen wohl kaum geeignet gewesen - sie wären wahrscheinlich im sandigen Boden stecken geblieben. Christoph Drösser

Die Adressen für »Stimmt’s«-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg oder stimmts@zeit.de . Das »Stimmt’s?«-Archiv: www.zeit.de/stimmts

Audio: www.zeit.de/audio

 
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