Kino "Minority Report" Visionen aus der Ursuppe

"Minority Report": Steven Spielberg rettet die menschliche Seele vor der westlichen Präventivdiktatur

Vielleicht ist Steven Spielberg ein Noah auf der Arche. Das Wasser steigt, aber er rettet, was zu retten ist. E.T., der Außerirdische, ist das fremde Wesen aus dem All, das den Funken der menschlichen Seele neu entzündet. Und siehe, er glühte noch. Wo für alle anderen keine Hoffnung mehr ist, da überlebt, wie in Schindlers Liste, ein Kind, und wieder ist die Welt gerettet. Auch die Toten sind nicht umsonst gestorben, wie Der Soldat James Ryan, denn wir gedenken ihrer in Freiheit. Sogar die Dämonen der Vorgeschichte, die in Jurassic Park in das Freiluftgefängnis der Zivilisation einfallen, haben Platz auf der Arche Noah. Und Artificial Intelligence trägt die Seele nach dem Untergang des Menschen auf Händen in die Zukunft. Das Roboterkind sagt artig "Mama", und alles bleibt gut.

Spielbergs neuer Film Minority Report spielt in den gleichförmigen Tagen des Jahres 2054, aber es könnte auch die Welt von heute sein mit ihren Buchsbaumhecken in den Vorgärten, konfusen Leidenschaften und traurigen Restfamilien. Vom automobilen Quantensprung abgesehen, führen die Menschen das Leben des 20. Jahrhunderts. Sogar die Mode von morgen ist die von heute.

Es herrscht Frieden, denn in der blitzsauberen Welt von Minority Report gibt es weder Mord noch Totschlag. Mit Überblendungsorgien und routinierten Schnittgewittern führt Spielberg den Zuschauer in die Höhle von Precrime: Eine Organisation, die Gedanken und Leidenschaften kontrolliert und über eine Armee aus hoch mobilen Roboterspinnen gebietet, die durch Türritzen flitzen und verdächtigen Bürgern mit ihrer Scanner-Optik in die Augen sehen. So verhindert Precrime die Tat, bevor der Mörder sie begeht. In einem "Tempel" dümpeln drei Auguren in einer wärmenden Ursuppe, so genannte Pre-Cogs (precognition), die die Zukunft vorhersagen und die Mörder identifizieren.

"Sehen" sie einen künftigen Täter, wird sein Name in eine Kugel graviert und den Ermittlern vor die Füße gerollt. Das Kassandra-Trio kennt den Film der Zeit, spult ihn vor und schaut der Leidenschaft auf den dunklen Grund. Es sieht, wie der betrogene Ehemann das Haus verlässt und der Liebhaber in die Wohnung schleicht. Noch ehe der Eifersuchtsmord geschieht, greift die Truppe von Precrime zu. Washington D. C. ist die sicherste aller Welten und die trostloseste dazu.

In Spielbergs Präventivdiktatur ist John Anderton (Tom Cruise) der Kommissar des Schicksals. Er sitzt im Auge des Zyklopen und macht künftige Mörder dingfest. Dann werden die Täter ohne Tat eingefroren, auf immer und ewig.

Eigentlich ist Anderton ein Terminator unter umgekehrten Vorzeichen. Er kommt nicht aus der Zukunft, sondern aus der Geschichte. In seinem Innnern hetzt er nämlich die Entführer seines kleinen Sohnes. Er verfolgt, weil er von seinem Trauma verfolgt wird

er rächt seine Vergangenheit an der ungeschehenen Zukunft. Bald sind in der Welt von Minority Report alle verdächtig, und niemand ist ohne Schuld.

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