In den Führungsetagen des Stromriesen wird fieberhaft an einer genauen Aufstellung des Vermögens gearbeitet. "Alles ist in Bewegung", sagt ein ehemaliger Manager des Konzerns. Doch das Resultat steht aus, die künftigen finanziellen Lasten sind schwer zu beziffern. Und nicht nur der Nuklearbetrieb macht Sorgen. Das großzügige interne Rentensystem von EdF sei das größte Hindernis auf dem Weg zum wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens, meint der Abgeordnete Charles de Courson. "Diese Frage hat absolute Priorität", sagt der konservative Politiker, der ebenfalls im Finanzausschuss sitzt.

Daran wollen die Mitarbeiter des Konzerns allerdings nicht rütteln lassen.

Schließlich werden sie im Alter bestens versorgt sein und genießen jede Menge Privilegien: Sie müssen weniger lange arbeiten als der Durchschnittsfranzose, um in Rente zu gehen, und die Beiträge sind obendrein günstiger als sonst in Frankreich üblich. Das Altersgeld beträgt bis zu 75 Prozent des letzten Gehalts. Die Kosten für diese Vorzugsbehandlung sind erheblich. "Das System ist defizitär", sagt de Courson. Schon jetzt schießt EdF jährlich rund zwei Milliarden Euro zu, was 54 Prozent der Gehaltssumme entspricht. In acht Jahren wird dieser Anteil bei 90 Prozent liegen. Das private Forschungsinstitut Ifrap schätzt, dass der Rentenanspruch aller Mitarbeiter zusammengerechnet einen Wert von 40 Milliarden Euro ergibt - so viel wie der Jahresumsatz.

Die Versorgung der EdF-Mitarbeiter treibt weitere merkwürdige Blüten. So zahlt der Konzern seit 1946 jedes Jahr ein Prozent seines Umsatzes an die Sozialkasse CCAS. Diese hat rund 3700 Beschäftigte und besitzt Ferienzentren, Sanatorien und Restaurants, in denen sich EdF-Mitarbeiter mit ihren Angehörigen für wenig Geld verwöhnen lassen können. Zudem ist die CCAS eng mit der mächtigen, kommunistisch orientierten Gewerkschaft CGT verflochten.

"Mithilfe der einprozentigen Abgabe hat sich EdF über Jahrzehnte das Wohlwollen der Gewerkschaft erkauft", sagt ein Branchenkenner. Vor allem diesen Geldern sei es zu verdanken, dass die Kommunistische Partei Frankreichs noch existiere.

Aktionäre eines börsennotierten Unternehmens würden wenig Verständnis für derartige Sozialleistungen haben. Die Arbeitnehmer sind allerdings bereit, ihren Besitzstand mit Zähnen und Klauen zu verteidigen. Am 3. Oktober zogen deshalb - angeführt von der CGT - Zehntausende EdF-Angehörige durch die Pariser Innenstadt. Frieden mit den Gewerkschaften ist wichtig in einem Land, in dem Streiks, Blockaden und Massenaufmärsche schnell die Stabilität einer Regierung bedrohen. Deshalb vermeidet die offizielle Sprachregelung den Begriff "Privatisierung". Man spricht lieber von der "Öffnung des Kapitals".

Und die Mehrheit von EdF soll vorerst in Staatshand bleiben.