Was ein Regenwurm ist, weiß jedes Kind. Wie er schmeckt, wissen auch viele.

Wer Mitglied einer Kinderbande werden will, muss eine Mutprobe ablegen, und da sind zwei Tests gängig: über ein Hausdach balancieren oder einen Regenwurm essen. Beim Wurmverzehr müssen vor allem australische Kids tapfer sein, denn der Megascolides australis ist drei Meter lang. Doch auch hierzulande ist das Prozedere grausam und hinterlässt Spuren, selbst in der Psyche der Härtesten.

Aus Kindern werden Erwachsene. Wie viele ehemalige Wurm-Esser heute in den Chefetagen sitzen, kann nur geschätzt werden. Wegen des nötigen Bisses muss man aber davon ausgehen, dass es letztlich mehr Gourmands als Hausdach-Kletterer nach oben geschafft haben. Wie auch immer. Die Kindheitserlebnisse haben sie jedenfalls geprägt, denn an der Ausgangsidee halten sie fest: Wer dazu gehören will, muss zeigen, wie er tickt. Heute nennen sie das Ganze "Persönlichkeitstests" und ergründen damit die Psyche von Bewerbern.

Die schlichteste Methode sind psychologische Fragebögen. Doch schon hier beginnt der Bewerber zu überlegen, ob vielleicht nicht seine Zurechnungsfähigkeit, sondern sein Humor getestet werden soll.

"Tanzveranstaltungen interessieren mich besonders" kann er unter anderem ankreuzen. "Ich habe Freude daran, Tulpen zu köpfen" oder: "Es macht mir Kopfzerbrechen, wenn ich mir vorstelle, dass ich plötzlich sterben könnte."

Beim Minnesota Multiphasic Personality Inventory dürfen sich Jobanwärter außerdem dazu äußern: ob sie sich für Sendboten Gottes halten, von bösen Geistern besessen sind, in Afrika Löwen jagen möchten oder ob ihre Seele ab und an den Körper verlässt. "Ihre Fragen sind genauso lustig wie Tulpen enthaupten", könnte man nach diesen Tests zum Prüfer sagen. Sollte man aber nicht.

Gelegentlich werden Bewerber auch mit der Bitte konfrontiert: "Malen Sie einen Baum!" Für angehende Förster vielleicht eine Selbstverständlichkeit