Eine Szene des Films Baader ist über den Dächern von Paris gedreht, mit einer Super-8-Kamera

sie zeigt gut gelaunte, ausgelassene junge Leute, die auf dem Weg in den Terrorismus sind. Ich könnte mir vorstellen, dass die Autoren uns damit sagen wollen: Diese Truppe junger Leute war high und frei.

Die Wirklichkeit war viel trüber und deprimierender.

Ich war die Frau, die in Paris die Kamera hielt, auch wenn es in Wirklichkeit nur eine Fotokamera war. Die Bilder habe ich vor ein paar Jahren als Buch veröffentlicht. Es war Herbst 1969, nach der Flucht Baaders und Ensslins aus Frankfurt, wo ihnen wegen Kaufhausbrandstiftung Gefängnis drohte. Ich war ihnen nachgereist, um ihnen ein Auto zu bringen und andere Dinge, die sie benötigten. Ich traf dort auf Baader und Ensslin und auf meinen Bruder Thorwald. Wir wussten, dass dieser Augenblick einen Bruch bedeutete, dass es jetzt in die Illegalität ging. Die Stimmung war gedrückt. Mein Bruder stieg dann noch in Paris aus. Ich fuhr mit Baader und Ensslin nach Italien. Ein Jahr später tauchte ich unter, nachdem wir Baader in Berlin aus dem Gefängnis befreit hatten. Ich war damals Anfang 20.

Das Gefühl unseres radikalen Aufbruchs vermittelt Christopher Roth nicht. Die RAF wird bei ihm zu einer aufregenden Fantasie, einem Spiel, bei dem junge Leute mit Pistolen herumfuchteln dürfen. Wir haben nie mit Pistolen herumgefuchtelt. Die Männer der RAF trugen die Waffen zwar schon etwas offener, wir Frauen aber eher in der Handtasche. Und die RAF war für uns kein Spiel. Wir hatten Angst um unser Leben, auch wenn wir nicht wagten, darüber miteinander zu sprechen. Wir verdrängten unsere Angst.

Christopher Roths Film Baader kommt genau 25 Jahre nach Andreas Baaders Tod am 18. Oktober 1977 im Stuttgarter Hochsicherheitsgefängnis Stammheim in die Kinos. Er passt in eine Zeit wachsenden Interesses an der Baader-Meinhof-Ära, das längst die deutsche Grenze überschritten hat. In einem Raum des Museum of Modern Art in New York hingen bis vor kurzem Bilder der Stammheimer Toten, gemalt von Gerhard Richter. Der amerikanische Schriftsteller Don DeLillo hat den Raum als Ausgangspunkt für eine Erzählung gewählt (Looking at Meinhof).

Freunde haben mir berichtet, dass die Menschen in diesem Raum traurig wurden