Nach seinem 21. Zug bot der Schachweltmeister der Menschen, Wladimir Kramnik, mit genervtem Gesicht seinem Gegenüber Remis an. Dieser, ein Mensch namens Matthias Feist, Koprogrammierer des Schachcomputerprogramms Deep Fritz und der Ausführende der Züge seines Wunderkinds auf dem Brett, willigte ein.

Mit dem Remis in der achten Partie des Matchs endete am vergangenen Wochenende in Bahrain auch der Wettkampf zwischen Mensch und Maschine unentschieden, 4 : 4.

Die Revanche für die Niederlage des Exweltmeisters Garri Kasparow gegen das IBM-Ungeheuer Deep Blue, 1997, war also nur halbwegs gelungen. "Der Kampf Mensch gegen Maschine ist, was die menschliche Intelligenz betrifft, noch offen", sagt Frederic Friedel, einer der Gründer der Hamburger Firma Chessbase, der Mutter von Fritz. "Unsere Intelligenz ist seit den Neandertaler-Tagen nicht herausgefordert worden. Maschinen können zwar rechnen, addieren, subtrahieren, Wurzeln ziehen - das ist Mechanik. Aber Schach ist nicht Mechanik. Schach erfordert Intuition und Erfahrung." Die Frage ist nur, ob Computerrechnerei nicht reicht, um Intuition matt zu setzen.

Immerhin erhält Kramnik für seinen halben Erfolg vier Fünftel von der Million Dollar Preisgeld, das der König von Bahrain ausgelobt hatte. Der Mensch braucht ja auch mehr als der kleine Fritz, der für 100 Euro in den Spiele- und Computerläden dieser Welt zu haben ist. Seine Käufer (darunter auch die Supergroßmeister der Branche) schlägt er nach Belieben, wodurch er gleichzeitig die Gewinne seiner Erfinder und Erzeuger maximiert.

Kein Wunder, dass die Chessbase-Leute mit dem Remis in Bahrain glücklich sind. Im Ernst hatten sie "auf eine knappe Niederlage" gehofft. Schließlich hatte sich der menschliche Weltmeister über ein Jahr lang mit einem Deep-Fritz-Prototyp auf den Wettkampf vorbereitet.

Und in der ersten Hälfte des Wettkampfs trug die ausgiebige Vorbereitung auch Früchte. Zur Halbzeit führte Kramnik mit zwei Siegen und zwei Unentschieden 3 : 1. Er hatte es weltmeisterlich verstanden, die Stärken des Programms nicht zum Zuge kommen zu lassen und die Schwächen clever auszunutzen. Die Stärke des Computers ist natürlich seine enorme Rechengeschwindigkeit. Er kann pro Sekunde 3,5 Millionen Züge untersuchen und bewerten. Das bereitet ihm innerhalb der durchschnittlichen Bedenkzeit von drei Minuten pro Zug eine Übersicht, die sieben bis acht Züge tief reicht. Aber hinter diesem Horizont sieht er nichts.

Gegen diese Schwäche setzt der Meister seine Schacherfahrung, sein Positionsgefühl, das ihm langfristige Strategien erlaubt. Er muss eben nur wilde Scharmützel, in denen ihm Rechenfehler unterlaufen können, vermeiden und seine Pläne hinter dem Horizont verstecken. Wenn der Rechner keine Ansatzpunkte findet, macht er Züge, die der Großmeister ausnutzen kann.