Politischer Mut, was heißt das? Auf jeden Fall, den "Schlangenwendungen einer unmoralischen Klugheitslehre" (Kant) zu widersprechen. Stephan Hilsberg (46), Bürgerrechtler, Gründer der Ost-SPD und bisher Parlamentarischer Staatssekretär im Verkehrsministerium, hat politischen Mut bewiesen. Er protestierte gegen den Ost-Minister Manfred Stolpe wegen dessen Stasi-Verstrickung ("IM Sekretär"), wollte sich unter ihm "nicht verbiegen lassen".

Ein solch altmodischer Begriff von Identität führt ins Aus. Genossen im Bundestag setzten sich davon ab oder stimmten klammheimlich zu, Ministerpräsident Matthias Platzeck nannte Hilsbergs Kritik "zutiefst ärgerlich". Stolpe, der geborene Profi, bot Aussprache und Weiterbeschäftigung an. Aber Hilsberg hat schon den Schreibtisch geräumt. Er weiß, dass eine Beschädigung des Ost-Patriarchen Stolpe "ein Tabubruch ist".

Im SPD-Staat, den Schröder auf dem Parteitag verkündete, ist diese Art Prinzipientreue und Zivilcourage kaum zeitgemäß. Ehre für Hilsberg also - umso mehr, weil sein Abschied in der Presse nur eine Randnotiz wert war. Er erinnert daran, dass Politik auch etwas mit Moral zu tun hat.