Atome in Zeitlupe.

Die Geburtsstunde der "Attophysik" feiert das Fachblatt Nature in dieser Woche: Erstmals ist es gelungen, die ultraschnelle Bewegung von Elektronen innerhalb eines Atoms mit einer Präzision im Bereich von Attosekunden (10-18 Sekunden) sichtbar zu machen. Für dieses Kunststück haben die Forscher der Universität Bielefeld und der Technischen Universität Wien zunächst ein Krypton-Atom mit einem extrem kurzen Röntgenlaserpuls beschossen, der nur einige hundert Attosekunden lang dauerte. Dadurch wurde eines der inneren Krypton-Elektronen zum Sprung in einen höheren Energiezustand angeregt. Die darauf folgende Elektronenbewegung ließ sich sodann mit einem zweiten Laserpuls sichtbar machen. Die Messung liefert zwar nur ein indirektes Bild von dem Geschehen innerhalb des Atoms. Dennoch, so jubelt Nature (Bd. 419, S.803), gehöre diese Arbeit zu den wenigen, die "den Beginn einer neuen Ära ankündigen".

Über Krebs sprechen lernen.

Wie sag ich es Verwandten und Bekannten? Ein an der Heidelberger Universität entwickeltes Programm soll krebskranken Menschen helfen, mit ihrem Umfeld über die Krankheit zu sprechen. Der Kurs wurde beim Kongress der European Society for Medical Oncology vorgestellt und basiert auf der Methodik, mit der auch Ärzte geschult werden, wenn sie Krebskranken gegenüber Diagnosen zu formulieren haben. In einem eintägigen Workshop sollen die Patienten und ihre Partner lernen, den richtigen Ort und den richtigen Zeitpunkt zu finden, sowie mit den Gefühlen umzugehen, die das heikle Thema auslöst. Der Arzt Alexander Marmé, der das Kommunikationsprogramm entwickelt hat, machte häufig die Erfahrung, dass Patienten Angst davor haben, über ihre Krankheit zu sprechen. "Diese fehlende Kommunikation führt dann zu weiterem Stress bei den Beziehungen des Patienten zu seinen Mitmenschen." Um das Programm auch auf andere Kulturkreise zuzuschneiden, soll es unter Berücksichtigung von ethischen und religiösen Aspekten erweitert werden. Der erste Workshop findet demnächst in Heidelberg statt.

Hirn steuert Nase.

Nahezu jeder dritte Erwachsene kann den Geruch des Sexualhormons Androsteron nicht wahrnehmen. Doch Forscher der University of California haben herausgefunden, dass Nasen lernen können - und dass sogar die Nasenlöcher voneinander lernen. Die Wissenschaftler setzten zwölf Versuchspersonen dem Geruch des Sexualhormons aus. Allen Probanden wurde jeweils ein Nasenloch mit einem Stöpsel verschlossen. Nach 21 Tagen hatte nicht nur das offene Nasenloch gelernt, Androsteron zu riechen, sondern auch das verschlossene konnte den Stoff wahrnehmen (Nature Bd. 419, S. 802). Die Forscher glauben, dass die Daten zwischen den beiden Nasenlöchern über das Geruchszentrum im Hirn ausgetauscht werden. Wie das Gehirn die Nase für bestimmte Gerüche sensibilisiert, ist indessen ungeklärt.