Rechtlich ist die Sache klar: Wer nicht fahren will, muss zahlen. Jeder, der eine Pauschalreise gebucht hat, kann zwar im letzten Augenblick von seinem Arrangement zurücktreten, das regelt Paragraf 651 i des BGB, der Reiseveranstalter darf dann jedoch für seine Vorbereitungen und Aufwendungen eine angemessene Entschädigung verlangen - die Stornogebühren. Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen stehen in jedem Reisekatalog. Im Kleingedruckten. Als grobe Richtlinie gilt: bis 30 Tage vor Reisebeginn 20 Prozent des Reisepreises, bis zum 15. Tag vor Abflug 30 bis 35 Prozent, bis zum 7. Tag 50 Prozent, von da an bis zum Reiseantritt 65 Prozent, am Tag, an dem es losgehen soll oder bei Nichterscheinen 75 bis 80, in manchen Fällen sogar 100 Prozent. Pro Person.

Am preisgünstigsten ändert man seine Reisewünsche bis 30 Tage vor Abflug.

Denn bis dahin ist auch eine Umbuchung zu einem anderen Ziel möglich.

Umbuchung, so Klaus-Peter Tilly, Vorstandsmitglied bei der Deutschen Gesellschaft für Reiserecht, bedeutet die Änderung des Reisevertrags, während die Stornierung eine Kündigung ist. Allerdings können die Veranstalter auch für eine Umbuchung Gebühren fordern. Bei Neckermann zum Beispiel kostet das 28 Euro pro Person, bei TUI 25 Euro.

Kostenfreie Umbuchungen bieten im Augenblick die Veranstalter jenen Kunden an, die Ferien auf Bali bereits gebucht haben, aber nach dem Anschlag nicht mehr auf die Ferieninsel fliegen möchten. Noch bis zum 31. Oktober kann bei TUI wie auch bei den Veranstaltern der Rewe-Touristik (ITS, Tjaereborg, Jahn Reisen, Dertour, Meier's Weltreisen) kostenlos storniert werden. Während nicht alle, die sich Mitte Oktober auf Bali aufhielten, sofort zurückwollten, haben sich doch manche entschlossen, nun nicht mehr die Reise in Richtung Indonesien anzutreten. Von den 400 Kunden, die sich bis Weihnachten beim Hamburger Südostasienspezialist Transorient angemeldet hatten, entschlossen sich 20 Prozent, zu stornieren oder umzubuchen, fast alle nach Thailand. Nur 6 der knapp 300 Gäste, die sich auf Bali aufhielten, brachen ihre Ferien sofort ab, 5 wurden leicht verletzt heimgeflogen. Man kann ja niemand zu einer Reise zwingen, sagt Helmut Drotleff, stellvertretender Geschäftsführer.

Bei anderen Veranstaltern waren ebenfalls Thailand, aber auch die Kanaren beliebte Ausweichziele, auch nach Sri Lanka wurde umgebucht. Noch bis zum 15.

November gibt TUI Bali-Kunden die Möglichkeit, sich ohne Gebühren für ein anderes Urlaubsgebiet zu entscheiden. Bei den Veranstaltern der Thomas Cook AG (Neckermann, Kreutzer, Terramar) wird sogar bis zum 30. November eine kostenlose Stornierung oder Umbuchung gewährt, kleinere Veranstalter wollen sich nach dem Vorbild der Großen richten. Bis zum Jahresende ganz abgesagt hat der Studienreiseveranstalter Studiosus Reisen nach Bali. Außerdem wird das seit September letzten Jahres geltende Angebot, Reisen in islamische Länder wie Marokko, Tunesien oder Jordanien bis 14 Tage vor Reiseantritt kostenlos umzubuchen, beibehalten.