Bremen/Berlin

Es ist gerade einmal vier Wochen her, da feierten die Grünen den größten Erfolg ihrer Parteigeschichte. Sie beendeten eine schier endlose Serie von Niederlagen, erzielten ihr bislang bestes Ergebnis bei einer Bundestagswahl, retteten Kanzler und Koalition und deklassierten ganz nebenbei auch noch die liberale Konkurrenz. Mit der Bestätigung von Rot-Grün hat sich die Frage erledigt, ob die Grünen in den vergangenen vier Jahren die Akzeptanz als Regierungspartei - und nicht wie früher nur als kreative Opposition - erworben haben. Seit dem 22. September gehören sie ganz dazu.

Vielleicht war es diese Botschaft des Wahlergebnisses, die in einer Partei wie den Grünen nicht nur Freude, sondern auch Unbehagen auslöste. Jedenfalls erwies sich die Hoffnung der Parteiführung als gänzlich unbegründet, die Basis werde ihr im Triumphgefühl des Wahlsieges einen kleinen Normalisierungswunsch erfüllen. Wie schon des Öfteren zuvor weigerte sich nun auch der Bremer Parteitag, die Regel der Trennung von Amt und Mandaat außer Kraft zu setzen. Und weil die Vorsitzenden Fritz Kuhn und Claudia Roth ihre Bitte an die Partei mit der Ankündigung verbunden hatten, bei Nichterfüllung auf ihre Ämter zu verzichten, bedeutete die Bremer Strukturentscheidung zugleich das Ende des erfolgreichen grünen Führungsduos. Der Schein der Normalität, der sich von Zeit zu Zeit über die Partei legt, war wieder einmal spektakulär gelüftet.

Die Grünen sind eben keine normale Partei. Wer sonst verteidigt derart zäh die Illusion, innerparteiliche Macht ließe sich durch das in Regeln gegossene basisdemokratische Misstrauen kontrollieren? Gleichzeitig aber leistet sich keine andere Partei neben ihren gewählten Gremien eine durch keine demokratische Entscheidung legitimierte Führung wie die Grünen mit Joschka Fischer.

Eine widerspruchsfreie Truppe

Seit langem hält sich der Verdacht, dass beide - die autokratische Herrschaft des heimlichen Vorsitzenden und die satzungsmäßig garantierte Schwäche der gewählten Führung - wunderbar miteinander korrespondieren. Immer wieder gab es in der Vergangenheit den Versuch, die gewählte Führung zu stärken, um somit auch die informelle Macht einzudämmen. Doch der Zeitpunkt für solche Operationen ist längst vertan.

Unter dem Titel "Spitzenteam" hat sich nunmehr eine Führungsebene entwickelt, in der Fischers Herrschaft mit den Fraktions- und Parteivorsitzenden sowie den beiden Ministern Trittin und Künast aufs engste verflochten ist. Kam es in der Vergangenheit, besonders in der Oppositionsphase vor 1998, zwischen Fischer und den Vertretern der Partei noch hin und wieder zu Differenzen, die nach außen drangen, gar Spannungen, die manchmal sogar wie wirkliche Machtkämpfe aussahen, so präsentiert sich das "Spitzenteam" unter Deutschlands populärstem Politiker heute wie eine widerspruchsfreie und formierte Führungsgruppe.