Las Vegas, Nevada

Irgendwie ist dieser Wahlkampf außer Kontrolle geraten, und in der Handelskammer zu Henderson fragen sich die Herren vom Vorstand, warum eigentlich. Warum dieses brutale Gefecht gerade hier in den Vorstädten von Las Vegas, wo die Wüste nah und Washington fern ist und die Parteien sich kaum unterscheiden? Warum hier, wo alles so friedlich scheint und in der Zwischenwahl am 5. November nur über einen von 435 Abgeordneten des Repräsentantenhauses entschieden wird?

Am Kopf des Konferenztisches sitzt der Kandidat, der alles erklären soll. Der heißt Jon Porter, ist Republikaner und erzählt ziemlich offen, was hinter den Kulissen geschieht. "Die Machtbalance in unserem Land", so hebt er an, "ist in Gefahr." Nämlich dann, wenn die Demokraten die Mehrheit im Senat behielten und im Repräsentantenhaus errängen. Das bedeutet im konservativen Katastrophenszenario die Lähmung des Präsidenten. Bloß sechs Sitze müssten die Demokraten dazugewinnen. Nur in einem Dutzend Wahlkreisen, die meisten im Südwesten und einer in Las Vegas, sei der Ausgang der Abstimmung ungewiss. So ist Porters Distrikt zu einem Schlachtfeld von nationaler Bedeutung aufgestiegen. Hier wird um einen einzigen Parlamentssitz gekämpft, als ginge es um die Präsidentschaft. "Aus Washington schütten sie Unmengen Geld auf uns nieder", sagt der Kandidat. "Las Vegas erlebt das teuerste Rennen im ganzen Land." Und deshalb auch das unfairste.

Kapitalismus, neu: Nichts wird produziert, nichts exportiert

Wer das Fernsehgerät anschaltet, sieht alle paar Minuten einen Werbespot, in dem ein Bewerber den anderen mit Schmutz bewirft. Jon Porter stellen die Demokraten als skrupellosen Büttel der Versicherungs- und Atomindustrie dar.

Dario Herrera, der Bewerber der Demokraten, erscheint als gegelter Latino-Hallodri, der in allerlei Schwarzgeldaffären verwickelt ist.

Wahlkampfstrategen lieben derlei "negative Werbung". Sie ist hier nicht verboten und wirkt besser als jede "positive" Botschaft. Ganze Teams recherchieren angebliche Untaten des Gegners und füttern die Presse mit neuen "Enthüllungen". So erscheint der Wahlkampf in Las Vegas wie eine Wiederaufführung der kuriosen Clinton-Skandale, diesmal als Provinzposse - alles politikfrei, dafür machtfixiert.