Zuerst die gute Nachricht: Gut essen und trinken, ein Liebesakt und das Zusammensein mit Freunden machen Spaß.

Und nun die schlechte: Immer nur Sex, Champagner und Kaviar können ganz schön auf die Nerven gehen.

Dieser für die Reichen und Schönen erschütternde Umstand gründet darauf, dass unser Gefühlsleben durch Erfahrungen geprägt wird. Nimmt der Luxus überhand, mag das Gehirn seinem Besitzer keine Glücksreflexe mehr vermelden. In diesem Fall hilft nur eine längere Entbehrungsphase oder eine künstlich gesteigerte Vorfreude. Das Glück fällt eben auch den Glücklichsten nicht in den Schoß. Es ist kein Zustand und kein Schicksal, sondern "die Folge einer Tätigkeit", wie schon der kluge Aristoteles bemerkt hat.

Der Autor Stefan Klein spannt in seinem Bestseller Die Glücksformel den Bogen von antiker Glücksphilosophie bis zur modernen Neurobiologie, zur Verhaltensforschung und Psychologie. Was aber lehrt uns Kleins Marsch durch die Labors der Mediziner mit ihren Positronen-Emissions-Tomografen, mit ihren Analysen der Dopamin- und Beta-Endorphin-Flüsse, mit ihren Studien, die jeder Nervenzuckung eine Bedeutung beimessen?

Zunächst einmal, dass es beeindruckend ist, was die Psycho-Neuro-Zunft alles untersucht: die Reaktion von Probanden auf immer wieder präsentierte, aber bedeutungslose chinesische Schriftzeichen etwa, um zu zeigen, dass wir Menschen positiv auf Reize reagieren, mit denen wir häufig konfrontiert werden. Oder dass Versuchspersonen neuronale Anzeichen von Schwermut zeigen, wenn man ihnen Sätze wie "Das Leben ist nicht lebenswert" zu lesen gibt und ihnen gleichzeitig Sergej Prokofjews Orchesterstück Rußland unter dem Joch der Mongolen mit halber Bandgeschwindigkeit vorspielt.

Schon der Titel Die Glücksformel liest sich ein wenig wie ein GEO- oder Focus-Cover, zu Zeiten, in denen sonst nichts Bedeutsames auf der Welt passiert. Und tatsächlich verfällt Stefan Klein immer wieder in einen Ratgeber-Jargon auf Pastor-Fliege-Niveau: "Zu einer klugen Lebensführung ist nur fähig, wer seine Emotionen wahrnehmen, steuern und voraussehen kann ..."

Wer die akribisch recherchierten, wissenschaftlichen Details des 300-Seiten-Werkes auf ihren wirklich brauchbaren Inhalt abklopft, kommt zu der schlichten Erkenntnis, dass die meisten Forscher mit gewaltigem Aufwand auch nur Banalitäten verpacken, um letztlich volkstümliches Wissen zu bestätigen. So lautet schlussendlich die Nachricht der Glücksformel, dass ein jeder seines Glückes eigener Schmied ist. Was zu der banalen Erkenntnis führt, dass es den Leuten besser geht, wenn sie sich wohl fühlen. Oder war es umgekehrt?