Die siebenjährige Emma weiß genau, was ihr Papa tut. "Mein Dad ist Wissenschaftler", sagt sie. "Er findet raus, warum die Dinosaurier gestorben sind. Und er glaubt, das Universum ist ein riesiger Computer."

Das mit den Sauriern ist Unsinn. Aber Seth Lloyd hält das Universum tatsächlich für einen gigantischen Rechner. Einen Quantencomputer, der aus 1090 Bits besteht. In der Küche eines Reihenhäuschens in Wellesley, einem Vorort von Boston, kocht er Nudeln und erklärt nebenbei mir und seinen beiden Mädchen die Welt. Auch die fünfjährige Zoe weiß schon Bescheid: "Alles ist aus Atomen gemacht, außer dem Licht!" - "Sehr richtig, Zoe!" Wenn Lloyd in Fahrt kommt und Begriffe wie "Quantenfluktuationen" und "Feynman-Diagramme" aus ihm heraussprudeln, dann fühle ich mich nicht viel schlauer als die Kinder, die aufgeschnappte Bröckchen aus der Gedankenwelt des Vaters wiedergeben.

Seine Sicht der Dinge kann der kleingewachsene, quirlige Physiker unermüdlich erläutern. Selbst auf der Autofahrt im Berufsverkehr reißt der Redestrom nicht ab. Er zeigt auf die nicht gerade saubere Windschutzscheibe des betagten Subaru: "In diesen Flecken steckt mehr Information als im gesamten frühen Universum." Dabei überkommt ihn einer seiner Lachanfälle, der Pferdeschwanz, in den das schütter werdende Haar mündet, wippt - und der Beifahrer hofft, dass der Physiker sich noch auf den Verkehr konzentriert.

Alles dreht sich um Information

Information und ihre Verarbeitung - darum dreht sich alles im Kosmos von Lloyd. So wie für einen, der einen Hammer hat, die ganze Welt aus Nägeln besteht, sieht er überall Bits und Bytes und vor allem Qubits, die geheimnisvolle kleinste Einheit der Quantencomputer (siehe S. 47). Der Mensch unterscheidet sich von anderen Lebewesen in der Art, "wie wir mit Information umgehen", schrieb er in einem Artikel. "Darum dreht sich Sex, darum dreht sich Geschichte." Der Mensch macht aus toter Materie Informationsmaschinen.

Nach Gordon Moores berühmtem Gesetz verdoppelt sich die Kapazität der Rechner alle 18 Monate - und Lloyd hat ausgerechnet, wann diese Entwicklung zu Ende ist: wenn die kleinsten logischen Einheiten aus einzelnen Elementarteilchen bestehen und das ganze Universum in "denkende" Materie umgewandelt ist.

Für praktisch denkende Menschen hat er berechnet, wie viel Information in ein Gerät von der Größe eines Laptops passt: 1031 Bits - eine Quadrilliarde Mal so viel wie heute. Der Bau dieses ultimativen Laptops wirft aber noch Probleme auf: Drinnen müsste sich ein Milliarden Grad heißes Plasma befinden.