Keine Frage, dieser Mann ist der am schnellsten sprechende Vorstandsvorsitzende der USA. Redegewandt wie ein Politiker, akzentuiert wie ein PR-Agent und mit Fachvokabular beschlagen wie ein wahrer Technikfreak.

Die Worte zucken wie Blitze aus seinem Mund: Streaming-Media, Multimedia-Revolution, Mobile Business, Open Source, Konvergenz. So ist Rob Glaser. So unikal und "echt" wie seine Firma RealNetworks.

Interviewfragen werden schlichtweg ignoriert. Gespräche mit Journalisten geraten daher leicht zu Monologen, bei denen jede Zwischenfrage als manierenlose Frechheit erscheint. Dennoch ist dieser etwas rundliche 40-Jährige kein patriarchalischer Sprücheklopfer oder Unsympath - gemessen am Standard im amerikanischen Top-Management.

Rob Glaser ist vielmehr ein Mann mit Visionen. Und Visionäre reden nun mal nicht nur in den USA viel. Aber Glaser sagt auch was. Schon vor acht Jahren, als der Datenhighway noch mehr einem ungeteerten Trampelpfad glich, versprach der Schnellsprecher aus Seattle, das Internet zum Massenmedium zu transformieren. Ein großer Schritt in diese Richtung ist ihm tatsächlich gelungen, denn Glaser brachte mit dem RealPlayer den Bildern im Netz das Laufen bei. Kein anderer Internet-Pionier personifiziert daher heute den Übergang vom textlastigen Internet zum echten Multimedium mehr als er.

Mittlerweile ist seine zum Großteil kostenlos abgegebene Software weltweit bei über 280 Millionen Internet-Nutzern im Einsatz.

Noch lange bevor die kryptischen Kürzel der nun so weit verbreiteten Audio- und Video-Kompressionsformate MP3 oder DivX jedem Mitglied der Online-Gemeinde vertraut waren, machte Glaser zur Freude unzähliger TV-Kanäle und Radiostationen die Internet-Übertragung von Mediendaten gesellschaftsfähig. Und populär: Glaser sei Dank, dass die Deutsche Welle oder die Tagesschau schon seit Jahren weltweit online zu empfangen sind.

Inzwischen gibt es die neueste Version seiner Software, RealOne Player 2.0, auch in deutscher Sprache. "Dieses Programm stellt gegenüber dem Vorgänger eine dramatische Transformation dar", findet Glaser, der aufgrund der nur noch langsam wachsenden US-Internet-Wirtschaft dringend den Weg nach Europa und Asien sucht. "Die 'Universal'-Version der neuen Software kann neben Online-Streams, CDs und DVDs alle gängigen Audio- und Videoformate abspielen - selbst die von Microsoft."