Geschichte muss erzählt werden - erst in der Erzählung kann das Ereignis zur Erfahrung werden. Durch Zahlen und Statistiken allein lässt sich zwar vieles erklären, aber wenig verstehen. Der Historiker Karl-Heinz Janßen, seit 1963 bei der ZEIT und 1988 Gründer des Geschichtsressorts Zeitläufte, das er zehn Jahre lang geleitet hat, ist ein Meister der historischen Erzählung.

Temperamentvoll und pointiert, dabei, das versteht sich, quellenkritisch und detailgenau, führt Janßen durch das allerdüsterste Jahrhundert, die Epoche des Nationalismus und der deutschen Kriege. Von Sedan bis Stalingrad und der Ardennenoffensive spannt sich der Bogen, und mit jedem der Texte, der historischen Reportagen, von denen die meisten zuerst in der ZEIT standen, wird die Kontinuität des Wahns deutlicher: Dass mit Bismarcks Schritt vom Wege, der Annexion Elsass-Lothringens, schon der Weg in die Katastrophe begann und dass Wilhelm II. Hitler in vielem vorweggenommen hat. Hitler - ein "österreichischer Zufall auf preußischem Boden" (wie Hamburgs Exbürgermeister Klaus von Dohnanyi einmal schrieb)? Gegen solche abstrusen Legenden setzt dieser starke Band präzise Aufklärung, mit der ganzen Kraft eines glänzenden Stils.

Karl-Heinz Janßen: "Und morgen die ganze Welt ..."

Deutsche Geschichte 1871-1945

Donat Verlag, Bremen 2002

527 S., 25,40 e