die zeit: Herr Waigel, als Finanzminister haben Sie den Stabilitätspakt erfunden und durchgesetzt. Jetzt nennt EU-Präsident Prodi dieses deutsche Kind "dumm". Was meint der Erzeuger dazu?

Theo Waigel: Das "dumm" fällt auf den zurück, der es sagt, denn Prodi hat als Ministerpräsident von Italien diesen Pakt mit beschlossen. Italien war der größte Profiteur des Euro und der Stabilität, weil Italien heute jedes Jahr um dreißig Milliarden Euro weniger Zinsen zahlt als früher.

zeit: Warum hat Deutschland damals unter Ihrer Führung auf dem Stabilitätspakt bestanden?

Waigel: Die Frage war: Was ist, wenn ein Land 1997 und 1998 alle Kriterien erfüllt, später aber die Regierung wechselt, das Parlament eine andere Mehrheit hat und dann der Versuch oder die Versuchung kommt, eine andere Politik zu betreiben? Genau das wollten wir vermeiden und haben mit dem Pakt das Defizit-Limit und den Haushaltsausgleich als Ziel formuliert.

zeit: Haben Sie jemals daran gedacht, dass derlei Disziplin auch einer deutschen Regierung auferlegt werden müsste?

Waigel: Eigentlich nicht. Dass Griechenland vor der deutschen Finanzpolitik geschützt werden müsse, habe ich mir 1994 und 1995 nicht vorstellen können.

Allerdings: Für völlig ausgeschlossen habe ich es nicht gehalten, dass die Großen eine unheilige Allianz gegen die Kleinen eingehen könnten. Darum habe ich schon damals gesagt, der Stabilitätspakt sei der Schutz der Kleinen vor der Unvernunft der Großen. Die Kleinen haben eine exzellente Finanzpolitik betrieben. Acht Länder haben den Haushaltsausgleich bereits erreicht und gleichzeitig eine gute wirtschaftspolitische Bilanz vorgelegt. Konsolidierung steht also nicht im Widerspruch zu Wachstum und Beschäftigung. Und es gibt sogar Länder mit Überschuss. Genau das wollte der Pakt. Die Defizite liegen bei Deutschland, Frankreich und teilweise bei Italien.