Die regierungsamtliche Streichliste ist lang, aber in einem Punkt lückenhaft. "An Hunde- und Katzenfutter", bekannte Bundesfinanzminister Hans Eichel freimütig, "haben wir uns nicht herangetraut" - wegen der zu befürchtenden negativen Schlagzeilen. Das Steuerprivileg für Tiernahrung bleibt.

Doch auch wenn Herrchen und Frauchen verschont bleiben - an schlechter Presse mangelt es dem alten und neuen Kassenchef nicht. "Eichels Ruf als Sparkommissar ist hin", befand das Handelsblatt. Die wohlwollendere Frankfurter Rundschau analysierte die Stimmung unter den Betroffenen der Koalitionsbeschlüsse: "Rot-grüne Pläne reizen zum Protest."

Hans im Glück nun vom Pech verfolgt? Seine Probleme hat sich der Finanzminister zu einem guten Teil selbst eingebrockt. Erst verschwieg Eichel vor der Wahl die neuen riesigen Löcher im Budget - allein 15 Milliarden Euro im Jahr 2003. Dann vertrat er weder in der Koalitionsrunde noch in der Öffentlichkeit seine Lösungsvorschläge offensiv genug. Und sein Eingeständnis, dass Deutschland die im Stabilitätspakt vorgeschriebene Defizitgrenze von drei Prozent verfehlen würde, zögerte er so lange hinaus, bis der Koalitionsvertrag unterzeichnet war.

Kurzum: Die Glaubwürdigkeit des Ministers ist angeknackst. Seit langem war klar, dass die Steuern spärlicher fließen. Die Kapitalgesellschaften zahlen nach wie vor per Saldo keine Körperschaftsteuer, und die Wirtschaft wächst weitaus lahmer als in der Finanzplanung unterstellt.

Doch auch die Kritik steckt voller Widersprüche. Den einen wird zu wenig, den anderen zu viel gespart. Wieder andere bemängeln, dass an der falschen Stelle gestrichen werde. Scheinheilig bemänteln Lobbyisten die Versuche, Privilegien ihrer Klientel zu wahren, mit volkswirtschaftlichen Zwängen - der Abbau von Steuervergünstigungen soll ein Thema für Sonntagsreden bleiben.

Noch zehn Tage vor der Bundestagswahl hatte der Finanzminister im Parlament versichert: "Wir sind auf dem Weg zu einem gesamtstaatlichen Haushalt ohne neue Schulden und zu einem Bundeshaushalt ohne Neuverschuldung." Kein Wort von höherer Kreditaufnahme schon in diesem und im nächsten Jahr, von steigenden Steuerlasten und Sozialabgaben, die das Bundeskabinett am 20.

November beschließen will. Auch keine Andeutung davon, dass die Bundesrepublik die Maastricht-Latte reißt.