Ungereimtheiten, die den Berliner Regierungsparteien noch übel aufstoßen könnten, finden sich im Koalitionsvertrag unter der Überschrift Ökologische Finanzreform. Um eine "ökologisch sinnvolle Besteuerung der Energieträger" zu erreichen, solle die Besteuerung von Gas "angepasst" werden, heißt es da.

Bisher fordert der Fiskus bei Erdgas (ohne kommunale Konzessionsabgabe) nur knapp 0,35 Cent pro Kilowattstunde, während er bei leichtem Heizöl für die gleiche Energiemenge 0,58 Cent kassiert. Die "Anpassung" der Gas- an die Ölsteuer bedeutete daher eine Steuererhöhung um fast 70 Prozent. Sie träfe rund 16,8 Millionen Haushalte, die mit Gas heizen. Erste Proteste hätten sozialdemokratische Bundestagsabgeordnete bereits erreicht, melden Fraktionskreise.

Ob die schmerzhafte Steuer-"Anpassung" wenigstens der Umwelt nutzt, ist fraglich. Da Gas pro Kilowattstunde weniger Kohlenstoff enthält als Öl, wird jedes Kilogramm klimaschädliches Kohlendioxid (CO2), das bei der Verbrennung von Gas frei wird, derzeit zwar niedriger besteuert als die gleiche Menge CO2 aus Ölverfeuerung (1,74 statt 2,25 Cent pro Kilogramm). Ökologisch ist das kaum zu begründen.

Die Verhältnisse werden sich indes umkehren, wenn Öl und Gas künftig in Bezug auf ihren Energiegehalt gleich besteuert würden: Ein Kilogramm CO2 aus der Gasheizung würde dann nämlich mit 2,9 Cent, die gleiche Menge Klimagift aus dem Ölofen nach wie vor jedoch nur mit 2,25 Cent belastet werden. Zwar sind dem Gas noch (ebenfalls klimaschädliche) Methan-Emissionen zuzurechnen, die beim Transport durch undichte Pipelines entfleuchen

sie rechtfertigen jedoch keine steuerliche Schlechterstellung des Erdgases. Die Grünen halten "die einseitige Belastung des relativ klimafreundlichen Erdgases gegenüber dem Heizöl" denn auch "für problematisch", heißt es in einer Bewertung des Koalitionsvertrages.

Würde die geplante steuerliche Anpassung hinsichtlich des CO2-Ausstoßes erfolgen, müsste die Ergassteuer nur um rund 30 Prozent steigen. Entsprechend geringer wären allerdings auch die Mehreinnahmen, mit denen Finanzminister Hans Eichel schon kalkuliert: jährlich 1,073 Milliarden Euro.