Das europäische Wahljahr, zunächst geprägt von Erfolgen der neuen Rechtspopulisten, dauert länger als erwartet. Und es steht im Zeichen des Abstiegs dieser eben noch so strahlenden Rebellenbewegungen vom rechten Rand der Demokratien. Gleich am Morgen nach der deutschen Wahl hatte Gerhard Schröder die Bestätigung für Rot-Grün, zusammen mit dem Wahlsieg der schwedischen Sozialdemokraten, als Zeichen dafür gewertet, dass der Vormarsch der Rechten in Europa damit gestoppt sei. Jetzt sei Österreich an der Reihe.

Tatsächlich steckt dort Jörg Haiders sozialchauvinistische FPÖ, das ideologische Bindeglied zwischen Europas altem Rechtsextremismus und neuem Rechtspopulismus, nach einem brutalen innerparteilichen Machtkampf in einer politischen Existenzkrise. Die Koalition mit der ÖVP ist im September nach gut zweieinhalb turbulenten Jahren geplatzt, am 24. November gibt es Neuwahlen

Kanzler Schüssel regiert derzeit mit zurückgetretenen FPÖ-Ministern.

Noch drastischer gestaltet sich der Niedergang des Rechtspopulismus in den Niederlanden. Dort befindet sich die Liste Pim Fortuyn (LPF), benannt nach dem im Wahlkampf ermordeten nationalpopulistischen Parteigründer, fünf Monate nach ihrem Wahlerfolg vom 15. Mai - sie war auf Anhieb zweitstärkste Fraktion im Haager Parlament geworden - praktisch in Auflösung. Die Mitte-rechts-Koalition aus LPF, Christdemokraten und Rechtsliberalen zerbrach Mitte Oktober, im Januar wird gewählt.

Ist der rechtspopulistische Spuk damit vorbei? War der europäische Rechtsruck, der in Österreich begann und über Italien und Dänemark in diesem Jahr bis Portugal, Holland und Frankreich reichte, keine strukturelle Rechtsverschiebung, sondern doch nur ein ganz normaler Pendelschlag zurück zur rechten Mitte, nach vier Jahren sozialdemokratischer Hegemonie in der EU?

Viel spricht nicht dafür, zumal die Themen, die den Rechtspopulismus groß gemacht haben, auf der Tagesordnung bleiben: Zuwanderung, Arbeitslosigkeit, Leistungsdruck, Demokratieverdruss. Zwar ist ein Machtwechsel in Österreich nicht auszuschließen. Die Sozialdemokraten hatten einen guten Start in den Wahlkampf. Die Grünen erfreuen sich großer Zustimmung. Eine rot-grüne Mehrheit scheint also möglich.

Doch der bisher nicht sehr populäre ÖVP-Kanzler Wolfgang Schüssel holt auf.