die zeit: Sie sind Professor für deutsche Philologie an der RWTH Aachen.

Zusammen mit Neurolinguisten und Psychologen haben Sie in der Forschungsgruppe Desire einen speziellen Berufseignungstest für Gehörlose entwickelt. Warum?

Ludwig Jäger: In allen Tests, die bisher verwendet wurden, sind Anleitungen und Fragen schriftsprachlich. Weil die Gebärdensprache strukturell anders organisiert ist als die Lautsprache, ist es für Gehörlose jedoch sehr schwierig, die Schriftsprache zu erlernen. Die schriftsprachlichen Instruktionen stellen also eine echte Hürde dar. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass letztlich nur die Lesekompetenz abgefragt und nicht der eigentliche Berufseignungstest absolviert wird.

zeit: Was ist an Ihrem Test denn anders?

Jäger: Das Aachener Testverfahren zur Berufseignung von Gehörlosen wird am Computer durchgeführt und vermittelt die Instruktionen neben der Schriftsprache auch gebärdensprachlich. Unsere Testbatterie ist multimediagestützt. Die gebärdensprachlichen Anweisungen sind über Videoclips abrufbar.

zeit: Wie sieht das konkret aus?

Jäger: Das Aachener Verfahren testet kognitive Fähigkeiten, kognitive Fertigkeiten, sprachliche Kompetenzen und Persönlichkeitseigenschaften.