Einen richtigen Beruf hat er nicht. Gott sei Dank, würde er sagen. Denn eins hat John Kao schon früh entschieden: bloß keinen konventionellen Job anzunehmen. So ist er denn in den vergangenen 20 Jahren all das gewesen, wovon mancher ein Leben lang träumt: Jazzpianist, Filmproduzent, Dozent an der Harvard Business School, Unternehmer und Buchautor. Er hat Universitätsabschlüsse in Philosophie, Psychiatrie und Business Administration, er jettet um die Welt, gibt Konzerte, gründet Unternehmen und redet über sein Lieblingsthema, über das Prinzip, das er für das wichtigste im Leben hält: Kreativität.

"Kreativität ist der Treibstoff der Wirtschaft", sagt Kao gern. Oder auch: "Nichts geht über Jamming" - also das, was Jazzmusiker machen, wenn sie zusammenkommen und ein Thema improvisieren. Es entsteht etwas Neues, noch nie Dagewesenes. Diese Fähigkeit sollten auch Manager beherrschen, um ein Unternehmen erfolgreich in die Zukunft zu führen, meint Kao.

1983 gab er zum ersten Mal einen Kreativitätskurs an der Harvard Business School. Damals war er noch "Junior" in der Fakultät, und seine Kollegen hatten über die Idee gelacht. Doch der junge Dozent lockte mit seinem neuen Angebot auf Anhieb mehr als 200 Studenten in den Hörsaal, für Havard ungewöhnlich viel. Seine Kollegen lachten nicht mehr.

In Yale, Standford und am MIT hat er unterrichtet, Unternehmen wie Merrill Lynch, American Express oder Twentieth Century Fox gehören ebenso zu seinen Kunden wie die Unesco oder die Regierung von Singapur. Vergangene Woche war er im Rahmen des von der MG Technologies AG veranstalteten Johannisberger Gesprächs zu Gast in Deutschland.

Schon als Kind habe er Kreativität lernen müssen, meint der Sohn nach Amerika ausgewanderter Chinesen. "Ich bin ständig zwischen der Kultur meiner Eltern und der Kultur meiner Umgebung hin- und hergependelt." Mit zehn Jahren gründete er sein erstes Unternehmen, eine Schülerzeitung, später dann, als er genug vom Dozentendasein in Harvard hatte, lockte ihn aufs Neue die Geschäftswelt. "Ich wollte mal wieder etwas Richtiges machen."

Er zog von Boston nach San Francisco und gründete ein Bio-Tech-Unternehmen, das künstlichen Knorpel und Haut herstellte. Auf die Idee war er gekommen, weil ein Kommilitone von der Harvard Medical School sich um Verbrennungsopfer gekümmert hatte. Das Unternehmen hat Kao längst verkauft, zurzeit ist er Direktor der Londoner Ealing Studios. Das jüngste Filmprojekt des Hauses: The Importance of Being Earnest.

"Mir kommen immer dann Ideen, wenn ich mit Leuten spreche", sagt Kao, der zwischen Privat- und Berufsleben keine Grenze zieht, es sich allerdings auch leisten kann, morgens ins Kino zu gehen - das gehöre zu seinem Job, "der Inspiration wegen". Wenn er Zeit habe, beantworte er am liebsten E-Mails.