Neben allem, was man über den Politrowdy und Fallschirmspringer weiß, gibt es ein Muster im Leben des Jürgen Wilhelm Möllemann, das weniger bekannt ist. Der sonst so beredte Selbstdarsteller verfällt immer dann in auffälliges Schweigen, wenn die Rede aufs Geld kommt. Das gilt für seine Wirtschafts- und Exportberatungsfirma WebTec, mit der er sich nach eigenen Angaben "dumm und dusselig verdienen" könnte, ebenso wie für die Deutsch-Arabische Gesellschaft, der er mit einer Unterbrechung seit fast 20 Jahren vorsteht.

Und es gilt nun für die Affäre, die ihn den letzten Rest seiner politischen Reputation sowie seine Ämter als Landes- und Fraktionsvorsitzender der nordrheinwestfälischen FDP gekostet hat. Statt, wie von ihm erhofft, auf der Regierungsbank landete Möllemann mit Hilfe der umstrittenen, anti-israelischen Wahlkampfbroschüre, die er kurz vor dem 22. September in Nordrhein-Westfalen verteilen ließ, geradewegs am Pranger. Dort steht er nun als mutmaßlicher Parteispendensünder wie einst Helmut Kohl und schweigt.

Genauer gesagt, Möllemann faxt und schimpft und droht seiner Partei mit juristischen Auseinandersetzungen. Nur zu den Vorwürfen selbst, vor allem zu der Frage, woher das Geld stammt, mit dem er den unsäglichen Prospekt finanziert hat, will Möllemann sich erst Anfang Dezember äußern. Bis dahin, teilte der kranke Mann von Gran Canaria Anfang dieser Woche mit, wolle er seine Kraft wiederfinden, "die im Wahlkampf für die FDP bis zur Erschöpfung beansprucht wurde". Ob Möllemann sein Schweigen allerdings so lange durchhält, war bis Dienstagabend ungewiss. An diesem Donnerstag läuft ein Ultimatum der FDP-Spitze ab, das ihn zum Reden bringen soll.

Bekannt ist bisher Folgendes: Am 12. September stellt die Post Jürgen W.

Möllemann eine Rechnung über 838 218,68 Euro aus - die Verteilungskosten für die "Klartext. Mut. Möllemann"-Broschüren, die der ehrgeizige Wahlkämpfer von Postboten in acht Millionen Briefkästen einwerfen ließ. Gut eine Woche später, am 20. September, richtete Möllemann bei der Düsseldorfer Privatbank Lampe ein Sonderkonto ein. Und siehe da: Bis zum 11. Oktober füllt sich der Sammeltopf wie von Geisterhand mit insgesamt 840 000 Euro. Schön aufgerundet, eben jener Preis für die Hochglanz-Einwürfe gegen Michel Friedman und Ariel Scharon.

Geheime Gönner und leibhaftige Scheinspender

Wer hat den FDP-Landeschef da so ruck, zuck zum "Möllionär" gemacht? Die Einzahlungen in Höhe zwischen 1000 und 8000 Euro strömen von 14 verschiedenen Banken auf Möllemanns Sonderkonto, bis auf zwei Ausnahmen - in Hamburg und München - liegen sämtliche Institute in Nordrhein-Westfalen. Insgesamt landen 145 Einzeleinzahlungen zunächst auf bankeigenen Durchgangskonten. Von diesen "Conti pro diverse", also Verrechnungskonten für Laufkundschaft, überweisen die Banken das Geld weiter in Möllemanns virtuellen Klingelbeutel.