Selbstkritik ist Romano Prodi nicht fremd. Ein sympathischer Zug, wie ja das meiste an dem Italiener eher Sympathie weckt - oder Mitleid. "Ich hatte einen fürchterlichen Start", gestand er im April der Süddeutschen Zeitung.

"Aber das liegt hinter mir." Irrtum. Jetzt hat der EU-Kommissionspräsident sein Schatzkästlein der wirkenden Worte um ein weiteres bereichert. Der Stabilitätspakt sei "dumm" und werde viel zu streng angewandt. Was folgte, war eine handfeste Krise und - nicht zum ersten Mal - die Forderung nach Prodis Rücktritt.

Wer spricht da eigentlich, wenn Romano Prodi redet: Der mit Mitte fünfzig erst spät berufene Politiker - oder il professore, der in Bologna Ökonomie lehrte? Die EU-Kommission sei eine Art Regierung, mit dieser Selbstüberschätzung fing es 1999 gleich nach Prodis Amtsantritt an. Die Regierungschefs der Union waren vergrätzt. Wenig später war Weihnachten und dem Präsidenten irgendwie warm ums Herz, jedenfalls rief er bei Muammar al-Ghaddafi in Libyen an und lud ihn nach Brüssel ein. Abgesprochen war das mit niemandem. Am Jahresbeginn 2000 ließ dann das Straßburger Parlament den Italiener auflaufen, seine Grundsatzrede musste er einen Monat verschieben, die Abgeordneten fühlten sich schlecht informiert. Ein miserabler Start.

Und es ging weiter so: Vor einem Jahr erklärte der Kommissionschef mitten im ersten irischen Referendum, der zur Abstimmung gestellte Vertrag von Nizza sei für die Erweiterung gar nicht nötig. Der irischen "Nein zu Nizza"-Kampagne lieferte er damit ihr Lieblingszitat. Dann wieder schwänzte der Italiener die Pressekonferenz beim EU-Gipfel im belgischen Gent, die Gastgeber waren sauer. Auch beim Thema Euro sorgt Romano Prodi nicht zum ersten Mal für Wirbel und Verwirrung: Im britischen Spectator erklärte er vor zwei Jahren, jedes Land könne den Euro-Raum aufgrund außergewöhnlicher Umstände auch verlassen und die alte, nationale Währung wieder einführen.

Grazie, Herr Professor, mamma mia, Herr Präsident!

"Ich bin ein Diesel", sagte Prodi einmal über sich selbst. So ein Selbstzünder läuft und läuft. Aber wohin?