Anstandswidriges und geistesverwirrtes Betragen" wurde Karl Friedrich Drais zur Last gelegt - wegen seines 1817 erfundenen Laufrades, Grundlage des Fahrrades. Der Karlsruher Beamte verlor Job und Pensionsanspruch und starb völlig verarmt. Rudolf Diesel musste mit seiner Idee für einen effizienteren Motor jahrelang hausieren gehen, bis er endlich Finanziers fand. Der Dieselmotor wurde schließlich in der Industrie eingesetzt. Doch das Geld, das er mit dem Patent verdiente, verlor Diesel an der Börse. Als er 1913 Selbstmord beging, ahnte er nichts vom späteren, überwältigenden Erfolg seiner Erfindung bei Lokomotiven und Autos. Und Johann Martignoni verhungerte nach dem Zweiten Weltkrieg in Leipzig. Noch heute werden in der ganzen Welt Spiralbohrer nach dem von ihm entwickelten Prinzip hergestellt.

Extreme Beispiele, sicher. Doch in jedem Fall gilt, dass es mit einer guten Idee allein nicht getan ist - ein Erfinder braucht viel Geduld und auch ein bisschen Glück. Das ist heutzutage nicht anders als zu Drais' und Diesels Zeiten: Schon 1978 meldete ein Maschinenbaukonzern eine "Kupplungsmechanik mit einem durch Pfandmarken betätigbaren Schließsystem" beim Patentamt an.

Als sich in Deutschland kein Abnehmer dafür fand, überließ die Firma das Patent dem Entwicklerteam. Das wiederum beauftragte einen Patentverwerter, und der konnte das System 1986 endlich nach Frankreich und in die Niederlande verkaufen. Drei Jahre später kam man dann doch auch mit einer deutschen Firma ins Geschäft. Und heute gibt es kaum noch einen Einkaufswagen, der seine Dienste ohne Pfandsystem versieht. Ähnlich bei der Gleitsichtbrille: Die Sehhilfe für nah und fern machte ebenfalls einen Umweg über Frankreich, bevor sie deutsche Nasen zierte.

Seiner Zeit voraus war auch der dänische Physiker Valdemar Poulsen. Er ließ sich bereits 1898 ein Verfahren zur magnetischen Tonaufzeichnung patentieren.

Seine Erfindung - mit Stahldraht als Tonträger - wurde nicht ausgewertet, bildete aber die Grundlage der späteren Tonbandgeräte.

Für erfolgreiche Erfindungen sind Umwege typisch - und manchmal kommt am Schluss sogar etwas völlig anderes heraus, als es der Erfinder im Sinn hatte.

Spencer Silver beispielsweise wollte Ende der sechziger Jahre im Auftrag des US-Chemiekonzerns 3M einen neuen Superklebstoff entwickeln. Bei einem der Versuche mischte er die Substanzen ein wenig unorthodox zusammen: "Wenn ich vorher in der Fachliteratur nachgeschlagen hätte, wie es sich eigentlich gehört, hätte ich sicher die Finger von dem Experiment gelassen", sagte Silver später. Heraus kam ein Kleber, der zwar für eine Art Haftung sorgte, aber nicht für eine dauerhafte Klebebindung. Ein Fehlschlag also, der in irgendeiner Firmenschublade vergessen worden wäre, wenn der 3M-Mitarbeiter Art Fry nicht im Kirchenchor gesungen hätte. Ihn ärgerte es, dass die Lesezeichen immer aus dem Gesangbuch fielen. "Man müsste sie auf die Seiten kleben können", überlegte er. Dann erinnerte er sich an die scheinbar nutzlose Erfindung, die sein Kollege fünf Jahre zuvor gemacht hatte. Die beiden setzten sich zusammen, experimentierten - und entwickelten die Post-it Notes, quietschgelbe Haftnotizen, die 1978 auf den amerikanischen und 1981 auf den europäischen Markt kamen. Heute sind sie aus den Büros nicht mehr wegzudenken, übersäen Schreibunterlagen und Monitore, Telefone und Schreibtischlampen.