Ausgerechnet die Krankenkassen! Ärzte, Schwestern und Apotheker dürften triumphiert haben angesichts der Schlagzeilen über die rasant gestiegenen Verwaltungskosten der gesetzlichen Krankenversorgung. Seit Jahren beklagen die Versicherer die Kostenexplosion im Gesundheitswesen: Kliniken wurden zum Sparen verdonnert

Arztpraxen müssen sich Budgets und Behandlungsrichtlinien beugen

bei den Arzneiausgaben soll kräftig gekürzt werden. Nur die Kassen selbst, so scheint es, blieben verschont. Allein im Westen der Republik stieg ihr Verwaltungsaufwand seit 1989 um mehr als 50 Prozent. Zum Vergleich: Die Lebenshaltungskosten wuchsen im gleichen Zeitraum nur um 30 Prozent. Während die Krankenversicherer Enthaltsamkeit predigten, haben sie selbst einen tiefen Schluck aus der Pulle genommen. Wie dreist! So ist es nur konsequent, auch ihnen Bescheidenheit abzuverlangen: von der Auslegeware bis zum Top-Manager-Gehalt.

Der große Wurf ist das freilich nicht. An den Kassen allein kann das Gesundheitswesen nicht genesen. Deren Verwaltung kostete im vergangenen Jahr zwar stattliche 7,6 Milliarden Euro, aber im Gesamtbudget war das einer der kleinsten Posten. Das Gros der 138 Milliarden Euro Gesundheitsausgaben ging wirklich für Gesundheit drauf: für Oberärzte, Nachtschwestern, Pillen und Zäpfchen ...

Allerdings ist es verfehlt, nur über Ausgaben zu diskutieren. Die Einnahmen sind das entscheidende Problem der Kassen: In einer alternden Gesellschaft müssen sie nicht nur mehr für Senioren ausgeben, sondern nehmen auch viel weniger Beiträge ein. Hinzu kommen die vielen Arbeitslosen mit ihren verminderten Beiträgen. Herrschte Vollbeschäftigung, müsste sich niemand ums Gesundheitssystem sorgen. Auch das Hartz-Konzept zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit bringt erst einmal neue Probleme, weil die Billigjobber bei Renten- und Krankenkassen Discount erhalten sollen. Merke: Gute Wirtschaftspolitik ist nicht alles, aber ohne sie ist alles nichts.