Vergoldete Rücken

In Berlin findet die Internationale Messe für Autografen, Bücher und Grafik statt von Claudia Herstatt

Was man nicht im Kopf hat, muss man in den Beinen haben, sagt ein altes Sprichwort. Bei Antiquariatsmessen verhält es sich anders. Da will die geistige Kost nicht nur im Vorfeld erkannt, sondern in vielen Fällen auch mit den Füßen erobert sein. So werden bei der dritten Ausgabe der Internationalen Messe für Autographen, Bücher und Grafik, der LiberBerlin, (1. bis 3.

November) die Schnäppchenjäger wieder Stunden vor der Eröffnung draußen vor dem Ludwig-Erhard-Haus anstehen, um dann zielstrebig mit dem Lageplan in der Hand den gewünschten Objekten entgegenzuspurten.

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"Das sind nicht immer schöne Szenen", sagt der Mitveranstalter Wolfgang Mecklenburg von der Autografenhandlung J. A. Stargardt, "hat aber zwangsweise mit der deutschen Tradition zu tun." Was an Objekten im frühzeitig veröffentlichten Katalog abgedruckt ist, muss auf der Messe präsent sein und kann nur vor Ort und zu den veröffentlichten Preisen erworben werden.

Reservierungen im Vorhinein sind ausgeschlossen.

116 Händler aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Großbritannien, Dänemark, den Niederlanden, Frankreich, Tschechien und den USA etablieren sich für drei Tage in dem von Nicholas Grimshaw erbauten und von den Berlinern als "Gürteltier" bezeichneten Kulturzentrum unweit des Kurfürstendamms. Die offene Atmosphäre des Ludwig-Erhard-Hauses vermittelt schon nach außen, dass die LiberBerlin kein bloßer Treff für Bücherwürmer ist. "Neue Käuferkreise", so Wolfgang Mecklenburg, "sollen hier erschlossen werden, die das Bizarre, Kuriose oder Lustige schätzen, ohne gleich zum Sammler konvertieren zu müssen."

Das Studium des in 7000 Exemplaren verschickten Katalogs, der zudem im Internet unter www.liberberlin.de aufgerufen werden kann, vermittelt ein lebhaftes Bild von der Spannbreite des Angebots. Karten, Atlanten, Künstlerbücher, so genannte Peepshows zum Aufklappen, Frivoles, Vintage-Fotografien, Grafiken, religiöse und militärische Publikationen wetteifern mit botanischen Kupferstichen und marmorierten, ledergebundenen Bänden mit Goldschnitt und Verschluss.

Eine Generalkarte der gesamten Königlichen Preußischen Länder aus friderizianischer Zeit um 1770 bietet das Kunstantiquariat Beisler aus Weilheim für 2700 Euro an. Acht Jahre älter sind die 15 Bände der Erstausgabe der hinterlassenen Schriften von Friedrich II. bei dem Antiquariat Neidhardt aus Böblingen, 2200 Euro. Überhaupt scheint der Alte Fritz von besonderer Attraktivität zu sein. Tusculum Rare Books aus London hat nicht nur einen Brief des Königs an Voltaire zu bieten (24 000 Euro), sondern auch die 1780 erschienene Schrift Ueber die deutsche Literatur, die Mängel, die man ihr vorwerfen kann, die Ursachen derselben und die Mittel sie zu verbessern (1400 Euro).

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