Seit Jahren stehen drei Buchstaben im Mittelpunkt der Globalisierungsdebatte: WTO. Mitte der Neunziger als Nachfolgerin des Handelsabkommens Gatt gegründet, hat die Welthandelsorganisation den globalen Abbau von Zöllen, Schutzklauseln und Importverboten vorangetrieben. Sie sei ein Heilsbringer, der allen Ländern zu mehr Wohlstand verhelfe, behaupten ihre Anhänger. Ein Monster, das den Staaten ihre Souveränität nehme, entgegnen ihre Kritiker.

Der Wirtschaftswissenschaftler Andrew Rose von der University of California in Berkeley hat die Diskussion jetzt um ein neues Argument erweitert: Die WTO sei ziemlich egal.

In einer Studie zeigt Rose, dass die Mitgliedschaft in der WTO kaum Einfluss auf das Handelsvolumen eines Landes hat. Für den immensen Anstieg des Welthandels in den vergangenen Jahrzehnten, den sich die WTO gern als Verdienst zuschreibt, sind demnach andere Faktoren verantwortlich. Zum Beispiel, so Rose, steigende Produktivität, sinkende Transportkosten, regionale Freihandelsabkommen und eine weltweite Angleichung der Geschmäcker.