Die Konjunktur mag am Boden liegen, doch vom Weihnachtsgeschäft erhoffen sich die Geschäftsleute immer noch ein Wunder. Und um der Hoffnung nachzuhelfen, bombardieren sie den Verbraucher seit Wochen mit bunten Prospekten, Katalogen, Zeitungsbeilagen und Postwurfsendungen. Überwiegend wenden sie sich damit an Konsumenten, denen zum schöneren Leben nur noch ein ferngesteuerter, elektronischer Kaminholzanzünder fehlt. Und auch die Bedürfnisse der Feinschmecker sind im Fadenkreuz der Anbieter.

Zurzeit scheinen amerikanische Kühlschränke besonders beliebt zu sein. Das sind die spindgroßen Kühlmaschinen, deren linke Hälfte eine Eiswürfelmaschine beherbergt. Der fein schmeckende Whiskytrinker hält einfach sein Glas in eine Nische der linken Seite, drückt einen Knopf, und klack, klack, klack fallen frisch gefrorene Eiswürfel in seinen Whisky.

Es ist keine ganz neue Erfindung. Ich habe schon vor Jahren Großverdiener damit umgehen sehen, ohne dass sie ihren Chauffeur zur Hilfe rufen mussten.

Aber heute gibt es kaum noch Großverdiener, und deshalb ist der amerikanische Eis produzierende Kühlschrank bei uns Armen angelangt. Die großen Supermärkte bieten sie mir für rund 3400 Euro an. Und wenn ich einen Coupon des Postwurfkatalogs mit meinen Daten ausfülle und in eine Urne werfe, kann ich zusätzlich eine Kreuzfahrt für zwei Personen in die Karibik gewinnen. Wenn das kein Angebot ist!

Nun hat es das Schicksal so gefügt, dass mir am Whisky wenig liegt (wie auch Robert Gernhardt nicht), sodass ich mir den Großen Schrank verkneife. Etwas anderes ist es mit dem Brotmesser aus handgeschmiedetem Damaszenerstahl von der Firma Güde, welches das Feinschmecker-Magazin seinen Lesern anbietet, sofern sie dafür 3000 (in Worten: dreitausend) Euro bezahlen. Es ist wie alle Messer aus Damaszenerstahl nicht rostfrei und muss nach dem Waschen (nie in der Maschine!) mit säurefreiem Öl eingerieben werden. Das geht rasend schnell im Vergleich zu einer Vollwäsche beim 3400-Euro-Kühlschrank und ist deshalb ausgesprochen billig zu nennen. Leider hat das Messer eine Lieferzeit von sechs Monaten, sodass es als Weihnachtsgeschenk nicht mehr infrage kommt.

Circa vier Wochen Lieferzeit verspricht Manufactum, das pfiffige Versandhaus der guten, alten Dinge, für den Herd La Cornue. Er kostet 10 500 Euro. Herde dieses französischen Herstellers verhalten sich zu den handelsüblichen wie ein Kelly Bag von Hermès zu einem Rucksack von Timberland. Ob man so einen Brocken in der Küche haben muss, kann ich nicht beurteilen. Er ist aus schwerem Edelstahl, heizt durch zwei Gasbrenner, eine Ringherdplatte und besitzt einen Backofen sowie einen hohen Prestigewert.

Gleichzeitig erreicht mich ein Katalog von Heidebrenner, Kiel. Diese Firma ist seit Jahrzehnten auf Gasherde für Profis spezialisiert. Ihre variablen Geräte sind ebenfalls aus Edelstahl, und die Gasbrenner haben extrem hohe Brennwerte, nämlich 3,5, 5,8 und 9,3 Kilowatt. Sie sind alle für Stadt- und Propangas verwendbar. Wahrscheinlich verleihen sie einer Küche nicht das gleiche Prestige wie ein La Cornue, dafür kosten sie aber kaum die Hälfte.