Von Januar bis September 2002 betrug der Krankenstand in deutschen Unternehmen im Durchschnitt gut vier Prozent. Im Mittel fehlten also von 1000 Beschäftigten ständig 40 allein durch Krankheit. Nicht nur die Kollegen stöhnen unter der Mehrbelastung durch Kranke: Die Arbeitgeber kosten solche Ausfälle weit über 30 Milliarden Euro im Jahr (siehe Kasten).

Auch wenn ein Krankenstand von 4 Prozent nicht dramatisch klingt - manche Branchen, etwa die Bauwirtschaft oder der öffentliche Sektor, klagen über deutlich höhere Personalausfälle. Fehlzeiten von bis zu 15 Prozent in der Spitze seien bei Mitarbeitern kommunaler Unternehmen "keine Seltenheit", sagt Ehrhard Flato von der Unternehmensberatung implus in Ahnatal.

Den Betriebsrat ins Boot holen

Nach Flatos Erfahrungen ist ein gutes Drittel der Fehlzeiten die Folge von Arbeitsunlust und ließe sich abstellen. "Motivationsbedingte Fehlzeiten sind so etwas wie ein innerbetriebliches Fieberthermometer", sagt der Berater; sie stiegen dort an, wo Beschäftigte sich nicht geachtet fühlten, das Arbeitsklima schlecht sei und hohe Fehlzeiten geduldet würden. Vorgesetzten rät er zu einem "partnerschaftlichen und wertschätzenden Umgang" mit ihren Mitarbeitern, aber auch zu einer "intensiven Fehlzeitenbetreuung", um Auffälligkeiten zu entdecken - etwa "wenn jemand gehäuft an Montagen fehlt oder im Anschluss an den Urlaub, auch dann, wenn unangenehme Arbeiten anstehen oder nachdem Urlaubs- oder Gehaltswünsche abgelehnt worden sind", zählt Flato auf. Denn oftmals sei das Blaumachen eine "Trotzreaktion".

Führungskräfte sollten auffälligen Mitarbeitern klar machen, welche Probleme sie verursachen und was für Konsequenzen drohen. Es müsse deutlich werden, "dass Blaumachen nicht rechtens ist", sagt der Berater. "Dem Unternehmen wird Zeit gestohlen, und es wird noch dazu betrogen."

Kleinere und größere Erschwernisse könnten helfen, Mitarbeiter wieder auf den Pfad der Tugend zu bringen: Als Beispiele nennt Flato die Verpflichtung zu ärztlichen Attesten schon am ersten Krankheitstag, vertrauensärztliche Untersuchungen, Rückkehrergespräche im Beisein höherer Vorgesetzter, Versetzungen auf Zeit und notfalls die Kündigung. "Der Mitarbeiter muss merken, wenn er weiter so oft fehlt wie bisher, wird es schmerzlich für ihn", sagt der Unternehmensberater.

Hilfreich sei auch, wenn sich Beschäftigte "nicht bei der Sekretärin, sondern beim unmittelbaren Vorgesetzten krankmelden müssen". Erschwert werden Unlust-Auszeiten zudem durch etwas, das Flato zufolge viele nicht wissen: "Der Vorgesetzte darf auch fragen, was für eine Krankheit man hat. Er darf den Mitarbeiter nur nicht nötigen, die Frage zu beantworten." Auch dürfe er sich erkundigen, ob der Erkrankte zum Arzt gehen wolle. Und schließlich solle der Vorgesetzte auf rasche Rückkehr drängen. "Er kann sagen: Wir brauchen Sie, es wäre schön, wenn Sie früher als der Ablauf der Arbeitsunfähigkeit zurückkommen können", empfiehlt Flato. Schließlich brauche niemand bei rascher Gesundung Krankenscheine bis zum Ende auszusitzen.