Engels: Zwischen Rot und Grün droht ein erster ernsthafter Streit um die Sozialpolitik. Ein Thema: Die Rentenpolitik. Grünen-Politiker stemmten sich gegen die von Ministerin Ulla Schmidt angekündigte Erhöhung des Rentenbeitragsatzes von 19,1 auf direkt 19,5 Prozent, denn in der Koalitionsvereinbarung seien 19,3 Prozent ausgemacht gewesen. Auch die Grünen-Fraktionschefin Kathrin Göring-Eckhardt hat sich bereits kritisch geäußert und wartet nun mit eigenen Vorschlägen auf. Und sie ist nun am Telefon. Guten Morgen, Frau Göring-Eckhardt!

Göring-Eckhardt: Schönen guten Morgen, Frau Engels!

Engels: Sie wollen auch die heutigen Rentner zur Kasse bitten und fordern heute morgen in der Süddeutschen Zeitung die Verschiebung der nächsten Rentenerhöhung, die eigentlich zum 1. Juli ansteht. Steht es so schlimm um die Rentenkassen?

Göring-Eckhardt: So schlimm steht es nicht um die Rentenkasse, sondern die Frage ist ja: Wie reformfähig sind wir als Koalition? Und was bedeutet es eigentlich, dass wir im Moment Lohnnebenkosten haben, die wir so nicht akzeptieren können? Für mich sind zwei Dinge ganz entscheidend. Erstens, wir müssen die Lohnzusatzkosten so niedrig wie möglich halten. Der Bundeskanzler hat ja zu Recht darauf hingewiesen, dass alle Opfer bringen müssen. Deswegen dieser Vorschlag. Zum anderen, wir sollten uns nicht auf etwas ausruhen und dann so tun, als ob ein nächster Schritt einer Rentenreform, einer tatsächlichen Reform und nicht nur einer kurzfristigen Reparaturmaßnahme, dann überflüssig wäre.

Engels: Rechtssicherheit für die Rentner ist das aber nicht gerade, denn schließlich sollte die Rentenreform der vergangenen Legislaturperiode sichere Renten schaffen.

Göring-Eckhardt: Das ist richtig. Wir haben aber in der vergangenen Legislaturperiode zu Recht gesagt: Wir führen den privaten Zweig der Vorsorge ein. Wie der sich auswirkt und was das für Ergebnisse gibt, das sollte überprüft werden, das müssen wir im nächsten Jahr machen. Und darum geht es natürlich. Der Kanzler hat ja darauf hingewiesen, dass wir hierfür eine Kommission brauchen, um einen tatsächlichen Rentenkonsens herstellen zu können. Und das finde ich einen sehr guten Vorschlag.

Engels: Das heißt: Eine zweite Rentenreform?