Durch die provisorisch zugenagelten Gauben pfeift der Wind. Auf einem Stapel zugesägter Dachlatten steht noch die Werkzeugkiste, obendrauf liegt eine Säge. Stolz klingt durch, wenn Thomas Hauck erzählt, dass er das ganze Haus bis zum neuen Dach allein umgebaut habe. Aber jetzt rührt er keinen Finger mehr. Dass im Schlafzimmer nebenan das Parkett fehlt, ja, das stört ihn schon. Trotzdem hat er keinen Schwung mehr: "Ich weiß doch nicht, ob das Haus schon dem Finanzamt gehört."

Ein Problem, vor dem jetzt so mancher Hausbesitzer in der Südpfalz steht. Denn wie Thomas Hauck haben sich viele andere in Bad Bergzabern und Umgebung mit einer merkwürdigen Geldanlage das Grundkapital für den Bau ihrer eigenen vier Wände besorgt. Jetzt droht ihnen der finanzielle Ruin. Denn die vermeintlich sichere Geldanlage entpuppte sich als Scheingeschäft. Und jetzt wollen auch noch die Finanzämter ihren Teil abhaben - selbst wenn in vielen Fällen gar keine Gewinne ausgezahlt wurden.

Dass es so weit kam, verdanken die Haucks und rund 3600 andere Betroffene dem Berater der Firma Commodity Trading Service (CTS) im Pfalzkurort Bad Bergzabern. Der sprach von Traumrenditen, mit denen ein Hausbau leicht zu finanzieren sei. Die CTS - mit ihrer Hauptniederlassung in Saarlouis - investiere in Warentermingeschäfte, die fünf, oft auch sechs Prozent und mehr abwerfen würden. Und das jeden Monat. Auf das Jahr gerechnet könne ein Anleger von 60 Prozent Gewinn ausgehen, habe ihnen der CTS-Berater vorgeschwärmt, berichten mehrere Betroffene. Da lasse sich ganz einfach ausrechnen, wann das Haus finanzierbar werde. Dass das Ganze eine sichere Sache sei, wäre leicht überprüfbar. Viele Polizisten aus Bad Bergzabern seien dabei, Steuerberater, das halbe Versorgungsamt in Landau, Mitarbeiter der Stadtverwaltung und vom Finanzamt.

Wo immer Hauck sich umhörte, überall wurde er belächelt, weil er noch nicht dabei war. Immer wieder wurde ihm vorgerechnet, wie schnell sich das Geld vermehre. Ein Bekannter erklärte ihm, dass er vor ein paar Jahren 200 000 Mark investiert habe. Schon längst sei er Millionär.

Streifenpolizisten im Ferrari

Von der lukrativen CTS-Anlage schien die ganze Südpfalz zu profitieren. Autohäuser der Oberklasse stellten steigende Umsätze fest. Plötzlich kamen Streifenpolizisten in Bad Bergzabern im Ferrari zur Arbeit. Und der Traum vom Eigenheim wurde greifbar nah. So manchem wurde empfohlen, die Hypothek bei der Bank größer als benötigt zu wählen und das überschüssige Geld bei der CTS zu investieren. Dann finanziere sich der Hausbau von allein.

Im Jahr 1998, als Thomas Hauck sein Geld anlegte, machte sich der CTS-Vertreter noch die Mühe, zu jedem einzelnen Kunden nach Hause zu kommen. Doch bald schon rannten von Gewinnversprechungen angelockte Südpfälzer ihm die Bürotür ein. Ende der neunziger Jahre steckten gerade mal 100 Menschen ihr Vermögen in die angeblichen Warentermingeschäfte der CTS - im Herbst des vergangenen Jahr waren es bereits mehr als 3000. Eine Region, die überwiegend vom Weinbau und der Landwirtschaft lebt, träumte vom ganz großen Geld.