Foto: Ludovic/Laif

Zum Glück hat Frank Elsner heute einen anderen Job. Er ist nicht mehr Börsenjournalist. Er schreibt nicht mehr über den Neuen Markt und den angeblichen Anbruch einer Ära, in der sich Geld wie rasend zu vermehren schien. Er berichtet nicht mehr über jubelnde Vorstände, Banker und Aktionäre; auch nicht über den Aufstieg der kleinen Münchner Medienfirma EM.TV zum Beinahe-Weltimperium, zum Konzern aus der Wundertüte, der dann tosend zerstob. Frank Elsner ist ihr Pressesprecher.

Hätte er die Katastrophe kommen sehen, er würde vielleicht nicht diesen grauen Anzug tragen, der ihm hilft, Haltung zu bewahren. So viele Fragen, die wehtun: Wie verdient man Geld in einem kaputten Markt? Wie lebt man mit dem Ruf des Verlierers? Man könnte über die Wende von Elsners Karriere schmunzeln, enthielte sie nicht ebenso viel Bitteres wie sein Satz: "EM.TV wird heute wie ein normales Unternehmen geführt." Gestern, das war der Wahnsinn, nicht ganz normal. Heute werden hart gesottene Sprecher gebraucht.

Andere Boomfirmen erwiesen sich als Betrüger, gingen Pleite - EM.TV lebt. Die Firma ist immer noch börsennotiert, mit neuem Chef, neuen Großaktionären, Vorständen und Aufsichtsräten. Niemand bei EM.TV redet noch gern über die alte Zeit, auch der neue Chef nicht, der ehemalige Spiegel-Manager Werner Klatten. Die Vergangenheit haftet an der Firma wie der Ruch von Laster und Ausschweifung. Sie haftet auch an dem Gebäude in Unterföhring, acht S-Bahn-Stationen vom Münchner Zentrum entfernt. Ein paar Quadratkilometer kriselnde Medienindustrie, ProSieben, die insolvente KirchMedia. An einem Acker ein strahlender Kasten mit wehenden Fahnen, zwei Dachterrassen, auf denen Bäume wachsen, die Außenwände hell lackiertes Metall: EM.TV. Frank Elsner führt durch die Räume. Verkniffenes Lächeln, der ganze Protz irgendwie peinlich. Er sagt: "Wir würden gern ausziehen. Wir finden nur keinen Nachmieter."