Das Stück tut seine Wirkung bis heute. Wenn Bundeskanzler und Außenminister Nein sagen zu einem völkerrechtlich bedenklichen Angriffskrieg der USA gegen den Irak, so muss man daraus auch ein Echo hören der Sätze, mit denen ein junger, todkranker Dichter, den die Nazis zum Tode verurteilt hatten, nach der Befreiung zum Widerstand aufgerufen hat: "Du. Mann an der Maschine und Mann in der Werkstatt. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst keine Wasserrohre und keine Kochtöpfe mehr machen - sondern Stahlhelme und Maschinengewehre, dann gibt es nur eins: Sag NEIN! - Du. Forscher im Laboratorium. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst einen neuen Tod erfinden gegen das alte Leben, dann gibt es nur eins: Sag NEIN!" Dies ist das Glaubensbekennntnis der deutschen Nachkriegsgeneration, auch der Schröders und Fischers. Die amerkanische Militärregierung, Kulturoffiziere und Intellektuelle, die ins zerstörte Land der Mörder kamen, haben ihren Segen darüber gesprochen, das lässt sich nicht so leicht vergessen, Mr. Bush!

Seltsam genug: Ein aufgeschossener, kränkelnder, witzig-intellektueller Buchhandelslehrling, der auch, nur kurz, Schauspieler war, Wolfgang Borchert, geboren 1921 in Hamburg, fordert die Mächtigen heraus. Nein, nicht nur die Nazis. Die sperren ihn wiederholt ein. Hat er nicht einen Goebbels-Witz erzählt? Ein Stuben-Nachbar denunziert ihn. Todeszelle. Dann, "Menschenmaterial" wird knapp, Strafeinsatz an der Ostfront. Er überlebt.

Keine fünfzehn Jahre nach der Befreiung des Landes ist er den Mächtigen der Wiederbewaffnung wieder Dorn im Auge. CDU-Abgeordnete kriegen 1960 rote (Verzeihung!) Köpfe, als sich Kriegsdienstverweigerer auf das Manifest des Dichters, der schon halb so lange tot ist, wie sein Leben nur gedauert hat, berufen; "Du. Pfarrer auf der Kanzel. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst den Mord segnen, dann gibt es nur eins: Sag NEIN!"

Den widerborstigen Schlacks kriegen und kriegen die Literaturwissenschaftler nicht - wie Dürrenmatt gesagt hätte - in eines ihrer Einmachgläser. "Sein Werk bleibt Aufschrei und Frage ohne Antwort", tadelt sanft der Dramenführer der DDR 1967. Da bescheinigt ihm eine westdeutsche Doktorarbeit die im Kalten Krieg erwünschte "antikommunistische Gesinnung".

Draußen vor der Tür wird am 13.2.1947 als Hörspiel aus Hamburg gesendet, am 21.11.1947, nun zum Bühnenstück umgearbeitet, in den Hamburger Kammerspielen uraufgeführt - einer der größten Erfolge der deutschen Bühnengeschichte.

Ein Heimkehrerdrama über einen Ausgestoßenen, der die Frau nach drei Jahren Sibirien in den Armen eines andern findet, dem ein Selbstmord in der Elbe misslingt, der in der dramaturgischen Nachfolge und im hitzigen Sprachrhythmus des expressionistischen Stationendramas durch die Gesellschaft torkelt, vom einstigen Mörder-Vorgesetzten, der sich bürgerlich etabliert hat, über den Kabarett-Direktor, der keine Verwendung hat für den Heimatlosen, der durch die hässliche Gasmaskenbrille die Verlogenheit der Welt besser erkennt als alle, die es sich nach zwölf Jahren Massenmord dort wieder bequem gemacht haben.

Daneben die allegorischen Gestalten von Gott, dem hilflosen "alten Mann, an den keiner mehr glaubt" (Skandal für die Adenauer-Gesellschaft), die Todesfiguren von "Beerdigungsunternehmer" und "Straßenfeger", von Mutter Elbe, dem von Einklang mit der Welt säuselnden Doppelgänger des Untergehers oder, der rührendsten Gestalt, des Mädchens, die den Stalingrad-Heimkehrer - Beckmann ("Vorne B-, hinten Eckmann") - ungewollt zum Mörder ihres auch aus Sibirien zurückkehrenden Mannes macht.