Wer von Marianne Hoppe spricht, erwähnt auch ihr Lachen: ein Gelächter sozusagen ohne Grund, das andere nicht ansteckte und das allein bleiben wollte. Es stieg aus großer Tiefe und verbreitete ein wenig Furcht. Das Lachen jenseits des sozialen Sinns gehörte zu Marianne Hoppes Methode, sich, wie sie gesagt hätte, zu imprägnieren.

Wenn sie gefragt wurde, wie sie und ihr Mann Gustaf Gründgens es ausgehalten hätten, mit Hitler, Göring und Goebbels zu Tisch zu sitzen und zu den Vorzeige- und Durchhaltekünstlern des "Reichs" zu gehören, dann sagte sie: "Wir waren imprägniert gegen die Nazis."

Vielleicht nicht nur gegen sie. Fast scheint es, als sei die Wappnung gegen die Wirklichkeit das Ziel dieser Künstlerin und die Sprache ihr Mittel zum Zweck gewesen.

Weder das So nicht! der Rebellin noch das Warum nicht? der Unterhalterin war ihre Haltung, eher die vife Ungeduld einer Leserin, die vor immer neuen Denkmöglichkeiten steht und sich da durcharbeiten muss mit Leib und Seele. Welterfahrung geschah durch Rollenaneignung. Marianne Hoppe war eine autonome Frau, eine Alleinherrscherin in jenem Bezirk, den sie sich frei räumte, indem sie Text beherrschte. Ihr Kollege Ernst Schröder sagte über sie: "Sie zerbricht sich selbst in viele Einzelheiten und setzt sich neu zusammen. Sie zergliedert die Sätze. Sie dekliniert die Gefühle des Satzes durch, sie setzt die Grammatik ihrer Seele in Bewegung, sucht in der Gegenwart, aber auch in der Vergangenheit nach dem richtigen Ausdruck. Abends beim Spiel strahlt sie die Sicherheit eines Schlafwandlers aus. Man erhält Antworten, die tatsächlich aus dem Augenblick kommen, frisch gefundene."

Welt als Text. Petra Kohse schreibt in ihrer Hoppe-Biografie, dass die Schauspielerin im Gespräch oft in die Hände geklatscht und "What's next?" gefragt habe. Also: Keine Sentimentalität, weiter im Text. Man macht das Leben mit, auch wenn man seinen Sinn nicht versteht, man hält es nicht für ganz wirklich, nicht für "echt". Das disziplinierte Untergehen war Teil des Schauspielerhandwerks, und offenbar wurde Hoppe während dieses Vorgangs sogar schöner. Das blonde Mädchen bekam im Alter "edle" Gesichtszüge, die von den Vergnügungen des Denkens geformt zu sein schienen.

Sie ließ sich vom Schicksal transportieren wie eine erfahrene Reisende, die scheinlustig genießt, dass die Reise rumpelnd abwärts geht: "Von unten nach oben kann ich ja nicht. Ich kann von oben nach unten. Runterfallen. Das kann ich spielen. So vom Seil." Denn ganz oben war die Gutsbesitzertochter aus der Mark Brandenburg früh gewesen, als helle, klare, kalt strahlende Spielerin, die von der jeweiligen Figur immer den erregend souveränen Abstand hielt. Sie lernte Adorno und Horkheimer kennen, spielte unter Reinhardt und Falckenberg, liebte Ödön von Horváth, zeugte ein Kind mit ihm, das sie nicht zur Welt brachte, und bereute lebenslang, dass sie Horváth nicht ins Exil gefolgt war. Sie heiratete Gründgens, machte eine glänzende Theater- und Filmkarriere und stand auf der so genannten "Gottbegnadetenliste", die die Namen jener enthielt, denen das NS-Regime kein Haar krümmen würde (Gründgens selbst hatte die Liste für Göring aufgestellt).

In einer Gedenkfeier zu Gründgens' 85. Geburtstag im Hamburger Schauspielhaus verlas sie eine Apologie, die ihren Mann, aber auch sie selbst meinte: "Angesichts einer Apokalypse, deren Ende gewiss war - was war zu tun? Der Gedanke, persönlich auszuweichen, war nicht zu denken, es galt, mit äußerster Konzentration und äußerstem Schweigen zuverlässig zu sein. Ein Gesicht zu wahren, das nicht das seine war. Ein Gesicht zu wahren, das nicht das eigene war."