Foto: Steirischer Herbst © dECOI Architects

Ein lustvolles Panorama des Unbaubaren breitet sich da aus, das wirre Labor von Grundlagenforschern, die wogende, quellende, sich bauschende Formen erfinden. Manchmal stehen auch strenge Wunderkisten aus Sperrholz herum, durch die wir uns hindurchzwängen dürfen. Dannn tauchen wir hinein in eine Dunkelkammer, wo tausend neongrüne Kompassnadeln sich im wilden Tanze drehen, von Magnetfeldern getrieben. Auch normale Modelle und Zeichnungen gibt's zu sehen, doch anders als in gewöhnlichen Bauausstellungen soll hier der Betrachter nicht nur betrachten: Er soll Raum-Erfahrer sein, soll tasten, spüren, die Architektur greifend begreifen. Und er darf staunen. Selten nur sieht man so viel Wagemut versammelt, selten nur spielen Architekten so enthemmt und wirklichkeitsfern. Wer den Parcours durchläuft, fühlt sich wie auf einer Modenschau, bewundert das Frivole, das Exzentrische, Ungeahnte - und ist zugleich froh, dass er nichts davon tragen muss. In dem einen Saal begegnen ihm baumelnde Luftkissen, im nächsten will ihn ein übermächtiger Edelstahlkeil in die Ecke drängeln, schließlich steht er vor Wänden, die mit schwarzem Gummi ausgeschlagen sind, mit einer Haut, unter der es atmet und prustet, sodass sich Blasen bilden, Wülste, Beulen. Ist das die gesuchte Utopie? Eine gut gepolsterte Überlebenszelle?

Zumindest träumen erstaunlich viele Architekten von weichen und anschmiegsamen Baugebilden, von Häusern, die zu strömen scheinen. Auch Zaha Hadid und Patrik Schumacher, Kuratoren der Ausstellung, begeistern sich für die fließenden Übergänge. Eine Wohnwand haben sie entworfen, aufgebaut aus vielen Schichten, die sich schlängeln und winden, die hier eine Bettnische freigeben und dort eine Mulde fürs Waschbecken bilden. Nichts soll vorherbestimmt sein in dieser Architektur, sie will den Bewohnern keinen Lebensgrundriss vorschreiben - freie Formen für befreite Menschen.

Häuser fürs unbestimmte Morgen