// <!-- function popupscanner() { F10 = window.open("http://www.zeit.de/2002/45/Wissen/anzug.html","WISSEN","width=670,height=600,left=0,top=0,scrollbars=yes,resizable=yes"); } //--> // [ ZEIT-Grafik: Von der Vermessung bis zum Zuschnitt: Wie der elektronische Maßanzug entsteht ]

Ohne dass der Kunde es merkt, erfasst ein Scanner seine Körpermaße schon am Eingang des Modekaufhauses. Hat er sich an den Kleiderständern etwas ausgesucht, muss er es nicht mehr anprobieren. Er stellt sich einfach vor einen körpergroßen Flachbildschirm - und schon sieht er sein künstliches Abbild darin, bekleidet mit dem neuen Rock oder Anzug. Auf Knopfdruck zeigt der virtuelle Spiegel auch eine Ansicht von der Seite oder von hinten. Stoff, Schnitt, Ausstattung und Accessoires lassen sich fast beliebig verändern. Gefällt das Outfit, bestätigt der Kunde den Kauf per Knopfdruck. Geschneidert wird das Stück dann nach seinen individuellen Maßen. Kein Ärmel ist mehr zu eng und kein Hosenbein zu lang. Ein paar Tage später ist das maßgeschneiderte Kleidungsstück abholbereit.

Einige Jahre wird es noch dauern, bis virtuelles Einkleiden und industrielle Maßkonfektion zum Standardangebot von Modekaufhäusern und Boutiquen gehören. Die technischen Voraussetzungen aber sind bereits geschaffen - und auch schon im Einsatz. Zum Beispiel bei C & A in der Hamburger Mönckebergstraße. Nils Meinke empfängt Kaufwillige zwischen den Anzügen der Herrenabteilung und begleitet sie in einen abgetrennten Raum. "Wir erstellen jetzt Ihren digitalen Zwilling", verspricht der Verkäufer. Und das geht so: bis auf die Unterhose ausziehen, auf ein Podest stellen, Arme leicht abwinkeln und dann möglichst still stehen bleiben, bis der "Bodyscanner" seine Arbeit getan hat. Innerhalb von acht Sekunden tastet er den Körper an zwei Millionen Messpunkten mit Laserlicht ab. "Das war schon alles!", ruft Herr Meinke in die Kabine, "Sie können sich wieder anziehen."

Auf seinem PC erscheint jetzt das dreidimensionale Abbild des Kunden. Der Bauchansatz, die leicht hängende rechte Schulter und das etwas kürzere linke Bein - nichts bleibt dem Scanner verborgen. "Das sieht nicht besonders vorteilhaft aus", sagt Nils Meinke, "dem Kunden zeigen wir deshalb nur ein paar Maße, nicht sein digitales Abbild." Nun darf der Vermessene unter 100 Stoffproben sein Wunschtuch finden, Hosen- und Taschenform, Bund und Knöpfe wählen. Aus diesen Angaben und den Messpunkten des Scanners berechnet der PC Größe, Schnitt und Preis des Anzugs. Anschließend sausen seine Daten elektronisch an den Hersteller. Dort wird auch der Zuschnitt vom Computer gesteuert, und so hat der Anzug später tatsächlich ein etwas längeres rechtes Bein und zum Ausgleich der hängenden Schulter einen leicht verkürzten Ärmel.

Bauchumfang im Speicher

Gut 500 solcher Maßanzüge hat Nils Meinke im ersten Jahr verkauft. "Zweitbestellungen sind besonders einfach", sagt er, "das lässt sich in fünf Minuten am Telefon abwickeln." Denn C & A speichert die Körperdaten seiner einmal vermessenen Kunden. Auch ein neuer Modetrend lässt sich so in passgenaue Kleidung umsetzen. Seine Klientel teilt Nils Meinke in zwei Kategorien ein: solche mit ungewöhnlichen Körpermaßen und solche mit einem Faible für das Exklusive bei kleinem Geldbeutel. "Die freuen sich jeden Tag darüber, dass der Anzug extra für sie geschneidert wurde." 360 Euro kosten die Maßanzüge bei C & A, die Firma Dolzer macht es sogar für die Hälfte. Denn Dolzer lässt die in Deutschland computergesteuert zugeschnittenen Stoffe für Billiglöhne in Tschechien zusammennähen.

Trotz solcher Dumpingpreise ist die industrielle Maßkonfektion noch ein Nischenangebot. "Das wird aber nicht mehr lange so bleiben", ist Nils Meinke überzeugt. Individuelle Produkte lägen überall im Trend.