Göring-Eckardt:
Das schöne Kinderbuch vom ‚Kai aus der Kiste’ hat, glaube ich, mit der Frage, wie ich Fraktionsvorsitzende geworden bin, wenig zu tun. Ich habe mir das schon relativ lange überlegt. Wenn man so etwas anstrebt, dann empfiehlt es sich, nicht lange darüber zu reden, sondern es in dem Moment zu tun, wo es sich anbietet. Und in dem Moment, wo die beiden Fraktionsvorsitzenden, die wir hatten und die auch gute Fraktionsvorsitzende waren, sich entschieden haben, etwas anderes machen zu wollen, habe ich gedacht, ‚Ja, ich will’ und den Hut in den Ring geworfen. Nebenbei gab es ein paar Leute die gesagt haben, ‚das ist 0.K.’ und die mich unterstützt haben...

...bei diesen ‚paar Leuten’ denkt man vor allem an den Bundesaußenminister und es ist die Frage entstanden, ob Sie da so eine Art Ziergewächs sind, das er da begossen hat.


Begossen hat er mich bis jetzt noch nicht, wird er wahrscheinlich auch nicht. Natürlich hat Joschka Fischer im Wahlkampf eine wichtige Rolle gespielt hat und spielt auch weiter für die Partei eine ganz zentrale Rolle. Und ich gebe zu, ich schäme mich nicht dafür, dass ich ein gutes Verhältnis zu ihm habe...

...das werden Ihnen aber einige Parteifreunde unter Umständen übel nehmen!


Ja, das kann ja sein. Andererseits ist ja die Frage, was man auch innerhalb eines guten Verhältnisses, was man miteinander hat, bewegt und die Tatsache, dass Joschka Fischer mit dem Slogan vom ‚kinderfreundlichen Deutschland’ durch die Lande gezogen ist, hatte nicht damit zu tun, dass er mich davon überzeugt hat, sondern dass ich ihn davon überzeugt habe. Das war zu bestimmten Zeiten nicht ganz leicht, aber es hat gezeigt, dass Unterstützung auch heißen kann, dass man jemanden ernst nimmt und auch etwas übernimmt, was man dann irgendwann für richtig befunden hat.

So macht man also bei den Grünen Politik, dass man Joschka Fischer überzeugt, so wie man früher bei der CDU Politik gemacht hat, indem man Helmut Kohl von etwas überzeugt hat?

Nein, so macht man bei den Grünen nicht Politik! Bei den Grünen macht man Politik, indem man selber ein Konzept entwickelt und es nach außen trägt. Das habe ich natürlich als Erstes gemacht. Und als Zweites kommt es dann darauf an, die anderen davon zu überzeugen. Joschka Fischer und auch Renate Künast gehörten zu den Ersten und danach kam dann auch die restliche Partei. In sofern heißt es nicht, man muss Joschka Fischer im stillen Kämmerchen überzeugen, sondern zunächst mal gibt man selbst Laut. Das habe ich auch gemacht, mit anderen Jüngeren in der Partei zusammen und dann kommt die Überzeugungsarbeit im Kleinen.