Foto: Wonge Bergmann

Zum Beweis dessen genügt es, einige jener Titel in Erinnerung zu rufen, die das Programm des Verlages ebenso bestimmt haben wie das ästhetische und politische Verständnis der Zeit: die vaterlose Gesellschaft, Dialektik der Aufklärung, die Stunde der wahren Empfindung, Erkenntnis und Interesse, Ästhetik des Widerstands, Homo faber, Kritik der zynischen Vernunft, traurige Tropen, die Unwirtlichkeit unserer Städte, der eindimensionale Mensch, die Macht der Gewohnheit, der autoritäre Charakter.

Man muss diese Bücher, seien sie von Mitscherlich, Adorno oder Marcuse, von Handke, Bernhard, Frisch oder Weiss, von Lévi-Strauss oder Sloterdijk, gar nicht gelesen haben, um zu wissen, dass sie für entscheidende Jahre die Stichworte zur geistigen Situation unserer Zeit geliefert haben.

Unter diesem Titel erschien 1979 der tausendste Band der edition suhrkamp, herausgegeben von Jürgen Habermas. Im Vorwort schrieb er: "Die e. s. repräsentiert einen Zug der intellektuellen Entwicklung, von dem man sagen kann, das er im Nachkriegsdeutschland dominiert hat: Ich meine den dezidierten Anschluß an Aufklärung, Humanismus, bürgerlich radikales Denken, an die Avantgarden des 19. Jahrhunderts - die ästhetischen wie die politischen. Wenn an der Parole, der Geist stehe links, je etwas daran gewesen ist, ich meine in Deutschland, dann während der Jahre, als trotz der massiven gesellschaftlichen Restauration die Erinnerung an den Nazismus und an die Traditionen, mit denen dieser gebrochen hatte, wachgehalten wurde - von einer intellektuellen Linken, die das kulturelle Milieu mit einer gewissen Selbstverständlichkeit prägen konnte."