Großvater ist an allem schuld. Hat er etwa seinen schütteren Haarwuchs weitervererbt, fallen später auch dem Enkel die Haare aus. Oder die kurzen Beine: Wie der Großvater, so der Vater, so der Sohn. Plattfüße, Kurzsichtigkeit oder Intelligenzdefizit - das Prinzip der Vererbung sorgt dafür, dass die Gene der Ahnen nachwirken. Weitergegeben von Generation zu Generation.

Nun hat der schwedische Sozialmediziner Gunnar Kaati zusammen mit seinen Kollegen von der Universität Umeå festgestellt, dass der Großvater väterlicherseits sogar schon in seinen Jugendjahren unser Schicksal mitbestimmte - mit seinem Appetit. Hat nämlich der alte Herr als Kind maßlos gefuttert, drohen uns Herzinfarkt und Diabetes. "Ein ernährungsabhängiger Mechanismus durch die männliche Erblinie beinflusst anscheinend das Todesrisiko durch Herz-Kreislauf-Leiden und Diabetes", schreibt Kaati im European Journal of Human Genetics.

Eine schlüssige Erklärung hat er nicht anzubieten. Die Basis seiner kühnen Überlegungen sind ausschließlich Statistiken. Die aber interpretiert Kaati forsch: Schlemmte der Großvater als Kind in der vorpubertären Phase, sterben die Enkel mit vierfacher Wahrscheinlichkeit an Diabetes. Nagte der heranwachsende Opa am Hungertuch, tat er damit etwas für unsere Gesundheit.

Und wessen Vater in Kinderjahren ein dünner Hering war, der darf auf Schutz vor dem Herztod hoffen.

Fast scheint es, als ob der alte Jean Baptiste Lamarck doch richtig lag. Der hatte einst Darwins Thesen um seine berühmte Giraffenhals-Theorie ergänzt: Die erste Giraffe reckt sich, um besser an die Blätter zu kommen. Der Hals zieht sich in die Länge

diesen vererbt sie an ihre Kinder. Auch die recken sich - und ein paar tausend Jahre später haben alle Giraffen einen langen Hals.

Niemand glaubt heute mehr an Lamarcks Theorie von der Entstehung der Giraffenhälse. Jetzt könnte sich das Blatt wieder wenden: Ist doch etwas dran an der so genannten Epigenetik, wonach sich Gepflogenheiten im Erbgut niederschlagen? Kaati jedenfalls interpretiert seine Daten in diese Richtung.