Auf der Suche nach dem Fehler, der unser Radiogerät - ein Erbstück Marke Philetta - außer Kraft gesetzt hatte, kam mir ein merkwürdiger Wunsch: Je tiefer ich mich in das mit Röhren und Kondensatoren bestückte Technikwunder aus den fünfziger Jahren hineindachte, umso sehnlicher wünschte ich mir, eine Zeitreise in die Radiogeschichte zu machen: live dabei zu sein, wenn ein Sender auf Mittelwelle ein Konzert von Arturo Toscanini aus der Mailänder Scala übertrug

das Rumpeln und Rauschen zu hören, wenn man auf Langwelle nach einem Sender aus Sibirien forschte

zu erleben, was es hieß, wenn man den französischen Rundfunk zu einer Zeit hörte, als Paris noch der Feind war.

Ich habe einen Traum.

Es ist selbst in meinem Traum für mich nicht ganz vorstellbar, einfach durch die ausgestanzten Löcher der hinteren Abdeckplatte des Radios zu schlüpfen.

Als Kind faszinierten mich immer die Lichtpunkte, die durch den aus Pressholz hergestellten Radiorücken an die Wand fielen und dabei ein Muster bildeten.

Im Traum, diesem Wunder der Fantasie, ist aber kein Loch zu klein, durch das man kriechen könnte. Also, komme ich dort an, wohin ich wollte: Röhren, unzählige Drähte, Potenziometer, kleine Laufräder und eine Unmenge von größeren und kleinen Kondensatoren sind das Bild, auf das ich schaue. Ich plane einen Weg durch das Technikgestrüpp nach vorn an die Scheibe des Radios, auf der ich Städtenamen vermute, die mir entweder wohl vertraut sind, von denen ich noch nie hörte oder die mir auf Reisen wahrscheinlich auch zukünftig nicht begegnen werden.