Nach einer Studie der Unternehmensberatung Gallup aus dem Sommer 2002 fühlen sich 69 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland ihrer Arbeit gegenüber nicht verpflichtet. Jeder Sechste verhalte sich sogar "aktiv unengagiert" und habe sich von seiner Firma längst "innerlich verabschiedet". Bei Frauen sei diese unlustige Einstellung weniger, bei ostdeutschen Arbeitnehmern stärker ausgeprägt, wollen die Tester anhand von 993 Arbeitnehmern herausgefunden haben. Während sich in Westdeutschland 16 Prozent der Arbeitnehmer aktiv für ihr Unternehmen einsetzten, seien es im Osten nur 11 Prozent. Daran sei indes keine passive "DDR-Mentalität" schuld, sondern ein besonders unmotivierendes Verhalten der Vorgesetzten. Offenbar herrsche dort in den Chefetagen die Auffassung, man brauche sich nicht um die Mitarbeiter zu kümmern, da wegen der hohen Arbeitslosigkeit genug Ersatz zur Verfügung stehe. Das könne Unternehmen teuer zu stehen kommen, sagt Gallup-Chef Gerald Wood. Entlasse ein Unternehmen einen Mitarbeiter, koste dies im Schnitt etwa die Hälfte des Jahresbruttoeinkommens des Entlassenen, bei Führungskräften sogar mehr.

Verantwortlich für den geringen Arbeitseifer in Deutschland macht Wood die Vorgesetzten. Die Chefs seien "zu autoritär" und ließen selten andere Meinungen zu. Zudem lobten sie ihre Mitarbeiter zu selten. Wer aber von seinem Chef nicht geachtet werde, warte nur auf die erstbeste Gelegenheit zur Kündigung.